Monat: Mai 2009

Schnapszahl

  
   Ach je, so schnell kann es gehen – hast-du-nicht-gesehen ist schon wieder ein Jahr rum!
   Ich werde heute 44
   Statistisch gesehen habe ich damit, glaube ich, schon mehr als die Hälfte meines Lebens herum.
   Aber egal, ich fühle mich auf jeden Fall mindestens wie 39 (E)…    
                                                                                                                                 


Die Prinzessin von Schloß Dyck

  Wir hatten gerade wieder Besuch – Lena war für drei Tage bei uns. Endlich, wie sie meinte: „endlich
  kann die Immi wieder laufen
!“ Naja, ich nenne meine Art des Fortbewegens zwar nicht gerade Laufen,
  sondern Schlurfhumpeln, aber egal – Hauptsache, ich komme vorwärts! Und im übrigen litt auch ich
  schon arg unter Lena-Entzugserscheinungen… Lena war ganz begeistert, weil
  wir ihr vom „Mittelalterlich Spectaculum“ in Wassenberg einen kleinen
  Kopfputz mitgebracht hatten. Geschäftstüchtig meinte sie dann allerdings, dass
  zu diesem Kopfputz ja wohl auch ein echtes Prinzessinnen-Kleid gehören würde.
  Hm, wo sie recht hat, hat sie recht! Und welch ein Zufall, dass um die Ecke auf
  Schloß Dyck gerade ein Renaissance-Fest stattfand…

  Ippi ist also mit ihr losgezogen und hat an einem Stand tatsächlich ein ganz
 echtes Prinzessinnen-Kleid gefunden. Natürlich musste sie es sofort anziehen,
 und in perfekter Prinzessinnen-Manier, mit sittsam gefalteten Händen, 
 spazierte sie dann neben Ippi her Richtung Ausgang. Alle paar Meter rief ein Passant: „guck mal, ist die nieeedlich„, und einer fotografierte sie sogar. Nein, stolzer als unsere Prinzessin von Schloß Dyck war an diesem Tag bestimmt kein anderes kleines Mädchen! 😉

  Am nächsten Tag gingen wir mit unserer Prinzessin zum
  Einkaufen. In jedem ordentlichen Großmarkt gibt es eine
  Spielzeug-Abteilung, und dort stehen für gewöhnlich auch immer ein paar Dreiräder, Roller –
  und Kinderfahrräder. Ippi begutachtete also das Angebot, war aber nicht ganz zufrieden, 
  weil sich die richtige Größe nicht finden lassen wollte. „Nein, da gucken wir dann noch mal
  im Fahrradladen
„, murmelte er, was Lena natürlich hörte. „Wann gehen wir denn zum
  Fahrradladen?
“ Tja, und wenn man von solch großen blauen Augen so bittend angeguckt
  wird, fährt man natürlich sofort zum Fahrradladen von Georg.

 Auch dort stellte es sich nicht als ganz so einfach heraus, die richtige Größe für eine fast Vierjährige zu finden, aber mit fachlicher Hilfe war bald ein schickes rosa Fahrrad von Puky im Prinzessin Lillifee-Design gefunden. Sattel und Lenker runter geschraubt, und schwupps war das Teil im Kofferraum verstaut. Zuhause wurde der Fahrradhelm rausgekramt, und den Rest des Tages verbrachte unsere Prinzessin fröhlich strampelnd mit ihrem neuen Fahrrad auf dem Fußweg vor unserem Haus. Zum Glück hat sie bald Geburtstag; so konnte das Rad schon als Geburtagsgeschenk durchgehen, und Ippis schlechtes Gewissen war beruhigt! 😉


Das Mittelalter rockt

   Mein Göttergatte (genannt GöGa) und ich waren gestern in Wassenberg auf dem „Mittelalterlichen
   Spectaculum“. Leider ziemlich unklug angelegt; der ganze Markt befand sich auf langgezogenem,
   hubbeligem Gelände und verlief sich ziemlich. Für mich mit meinem Humpel-Fuß und Krücken
   schwierig, aber ich habe mich heldenhaft durch die Botanik geschlagen! Übrigens fielen wir dort
   ganz schön auf, weil wir keine schwarze Klamotten anhatten und auch nicht mit Ketten behängt
   waren… 😉
   Der Markt selber gefiel uns auch nicht sehr; zu viel war einfach auf die Schwarzgekleideten
   ausgelegt. Was uns aber sehr gut gefallen hat, war ein kleines Konzert der Mittelalter-Rockband
   „Saltatio Mortis„! Witzige Typen, interessante Musik mit phantasievoll verzierten Dudelsäcken
   und Schalmeien – doch, das hat Laune gemacht! 


Ich lerne wieder laufen!

Ich hatte wieder einen Termin beim Chirurgen zur Nachsorge – immerhin sind nun fast 6 Wochen seit meinem Unfall vergangen, und ich hoffe stark darauf, demnächst wieder laufen zu können/dürfen/müssen. Und die Röntgenbilder zeigen erfreulicherweise: der Knochenspalt ist fast zugewachsen (Arnika und Beinwell sei Dank)! Was heißt: ich darf ab sofort beginnen, meinen Fuß wieder an Vollbelastung zu gewöhnen! Laaangsam natürlich, und immer gleich aufhören, wenn was weh tut oder dick wird. In der ersten Zeit muss ich noch meine „Gehhilfen“ benutzen, in den nächsten zwei Wochen auch immer noch meine Schiene um den Knöchel binden. Gymnastik soll ich machen, und vor allem die Abrollbewegung im Fuß gut üben. Selbst Treppensteigen darf ich auf diese Weise, was doch eine große Erleichterung bedeutet. Also Kinners, Jupheidi-und-Jupheida, dreimal-getrommelt-und-gepfiffen: ich lerne wieder laufen!!!!     

 


Buchbesprechung

Die Geheimnisse des Nicholas Flamel. Der unsterbliche Alchemyst  von Michael Scott

San Francisco, 2007. Sophie arbeitet in einem Coffeeshop, ihr Zwillingsbruder Josh gegenüber in einer kleinen
Buchhandlung. Alles ganz normal, bis Josh entsetzt miterlebt, wie der kleine Buchladen seines Chefs, Nick
Fleming, von einem unheimlichen Typen namens Dee und einer Gruppe merkwürdig lehmig aussehender
Gestalten überfallen wird. Die schlammigen Gesellen sind Golems, klärt Nick den ungäubigen Josh hastig auf,
und Dee ein Bösewicht, der an ein uraltes Buch aus Flamels Besitz will. Im Zuge eines magischen Kampfes schafft
es Dee, das Buch an sich zu bringen; Josh kann jedoch in letzter Minute aus dem Buch zwei Seiten heraus reißen,
ehe Dee triumphierend damit verschwindet. Sophie, die ihrem Bruder helfen will, bekommt gerade noch mit, wie
auch noch Nicks Frau Perry entführt wird. Und schon sind die beiden 15-Jährigen mitten drin in einer ebenso
bizarren wie phantastischen Geschichte…
  Der Auftakt zum Buch ist furios. Josh und Sophie erfahren Unglaubliches: Nick Fleming ist nämlich kein geringerer als der über 670 Jahre alte, sagenhafte Alchemyst Nicholas Flamel. Und Mr. John Dee der ehemalige Hofmagier der englischen Königin Elizabeth I.!  Falmel hat in einem uralten Zauberbuch, dem sogenannten Codex von Abraham, das Geheinmnis ewigen Lebens gefunden. Und genau dieses Buch hat Bösewicht Dee gestohlen! Dee, einst Schüler von Flamel, ist auf Abwege geraten und hat sich mit den Dunklen Mächten des Bösen (den Dunklen Alten) verbündet, die die Weltherrschaft und die Herrschaft über die Menschen wieder zurückgewinnen wollen – genau dazu brauchen sie den Codex. Nicholas, Josh und Sophie haben nun genau einen Monat Zeit, um das Buch zurück zu holen und Nicks Ehefrau Perenelle zu befreien, sonst müssen beide sterben. Und dann gibt es da noch eine seltsame Prophezeiung, nach der eines Tages Zwillinge die Welt retten oder vernichten können…
Was nun folgt, ist vom Autor gut gemacht. Er schafft es, uralte Sagen, Mythen, Legenden und historische Fakten so miteinander zu verbinden, dass die gesamte Geschichte dadurch erst rund wird – und überraschenderweise stimmig. Da tauchen Götter und Göttinen wie die griechische Hekate und die ägyptische Bastet auf, Yggdrasil, der Weltenbaum, und Atlantis darf natürlich auch nicht fehlen. Um es spannend zu machen, gibt es ein paar Bösewichte wie die irische Krähengöttin Morrigan und natürlich gruselige Monster wie Golems und Ghuls, verzauberte Ratten oder Katzen. Überhaupt sind die Hauptpersonen schön gezeichnet: vor allem die über 2.500 Jahre alte Schwertkämpferin Scathach, eine Verbündete von Flamel in Gestalt einer 17-jährigen Rothaarigen in Military-Klamotten, wächst einem schnell ans Herz. Einen dicken Sonderpunkt gibt es außerdem für die wunderschön gestalteten, in Gold geprägten Umschläge der Bücher!

 

Die Geheimnisse des Nicholas Flamel. Der dunkle Magier 

Im zweiten Buch steht die Konkurrenzsituation unter den Zwillingen im Mittelpunkt. Wie sich heraus stellt, sind beide
mit außergewöhnlich starken magischen Kräften ausgestattet. Darüber verfügen kann bisher jedoch nur Sophie,
deren magische Kräfte noch im ersten Band von der Göttin Hekate geweckt wurden, die von Josh jedoch nicht.
Dies will Dr. John Dee ausnutzen; er macht sich an Josh heran, sät Zwietracht unter den Geschwistern und weckt
Joshs Misstrauen gegen Nicholas Flamel. Die kleine Gruppe verlässt Amerika und geht auf magischem Weg nach
Paris. Dort werden sie von neuen Mitstreitern im Kampf gegen das Böse unterstützt: der berühmte Graf von Saint
Germain kommt in Form eines Rockstars ins Spiel. Witziger Einfall des Autors ist die Wahl von Germains Ehefrau:
der Gute ist verheiratet mit Johanna von Orleans, die seinerzeit gerade noch so vom brennenden Scheiterhaufen
gerettet wurde – natürlich wieder von der unermüdlichen Scathach. Auch bei den Bösen gibt es Neuzugänge: u.a. den
undurchsichtigen Niccolo Machiavelli und die Walküren mitsamt Riesenmonster Nidhogg. Natürlich ist auch die Morrigan immer noch im Spiel, die es dieses Mal vor allem auf Perenelle abgesehen hat. Perenelle sitzt inzwischen auf Alcatraz fest, bekommt dort aber unerwartete Unterstützung. Sehr schön gemacht ist im zweiten Band auch wieder das Wechselspiel der drei Parteien; Kapitel für Kapitel wird aus unterschiedlicher Sicht geschrieben, was die Sache für den Leser außerordentlich spannend macht.

Fazit: Der unsterbliche Alchemyst ist der Auftakt zu einer gut gemachten, spannenden sechsteiligen Fantasy-Serie um die Flamels. Prima gegeignet für alle Jugendlichen, aber auch für erwachsene Fans des Fantasy-Genre! Der lockere, moderne Schreibstil gefällt; klasse zu lesen sind die vielen historischen Bezüge, und die wunderschön gestalteten Bücher machen sich auch optisch im Bücherregal gut – prima geeignet daher auch als Geschenk!
Band Nr. 2, Der dunkle Magier, ist bereits erschienen. In Planung sind außerdem vier weitere Bände (Arbeitstitel/vermutliches Erscheinungsdatum: Die Zauberin/Frühjahr 2010 – Der Geisterbeschwörer/Frühjahr 2011 – Der Hexer/Frühjahr 2012 – Die Fee/Frühjahr 2013). Bis wir das Ende der Geschichte erfahren, müssen wir also noch vier (!!!) Jahre warten…  mehr zu den Büchern gibt es hier.

Die Geheimnisse des Nicholas Flamel. Der unsterbliche Alchemyst Seiten: 416; Verlag: cbj; ISBN: 357013377X; Preis: 17,95****
Die Geheimnisse des Nicholas Flamel. Der dunkle Magier Seiten: 512; Verlag: cbj; ISBN: 3570133788; Preis: 18.95****

Hintergrundinfos:
Nicholas Flamel hat tatsächlich gelebt. Der legendäre Alchemyst wurde 1330 in Paris geboren; sämtliche in Der unsterbliche Alchemyst genannten Lebensdaten von Nicholas Flamel entsprechen den Tatsachen (wie übrigens auch bei John Dee). Flamel hielt sich als Buchhändler und Schreiber über Wasser, indem er für Kunden Briefe schrieb und Bücher kopierte. Eines Tages kaufte er ein ganz besonderes Buch: Abrahams Buch der Magie. Auch dieses Werk hat es wirklich gegeben. In Begleitung seiner Frau Perenelle reiste Flamel über zwanzig Jahre lang quer durch Europa und versuchte die seltsame Sprache zu entschlüsseln, in der das Buch verfasst war. Niemand weiß, was Nicholas Flamel auf dieser Reise erlebte. Belegt ist, dass er, als er Ende des 14. Jahrhunderts nach Paris zurückkehrte, außerordentlich reich war. Rasch verbreitete sich das Gerücht, er habe in Abrahams Buch die beiden großen Geheimnisse der Alchemie entdeckt: wie man den Stein der Weisen herstellt, der gewöhnliches Metall in Gold verwandeln kann, und wie man den Tod überwinden und unsterblich werden kann. Weder Nicholas noch Perenelle wollten die Gerüchte bestätigen, aber sie gaben auch nie eine Erklärung dafür ab, wie sie zu ihrem enormen Reichtum gekommen waren. Sie lebten weiterhin bescheiden und gaben einen Großteil ihres Geldes für wohltätige Zwecke aus. Anfang des 15. Jhd. starb Perenelle; kurz darauf, im Jahr 1418, Nicholas. Sein Haus wurde verkauft und die Käufer nahmen es auf der Suche nach seinem immensen Reichtum praktisch auseinander. Es wurde nie ein Geldschatz gefunden. Eines Nachts wurde das Grab der Flamels geschändet und man entdeckte – dass es leer war. Waren sie an einem geheimen Ort begraben worden oder etwa gar nicht gestorben? Die Gerüchteküche in Paris brodelte – und die Legende von den unsterblichen Flamels wurde geboren. In den Jahren darauf will man die Flamels in ganz Europa gesehen haben…