Monat: April 2010

War das nicht eine tolle Nummer???

                      Kinders, ich danke Euch fürs Daumen drücken… Lyon – Bayern 0:3!!!

                      F I N A L E !!!!                        

                     P.S.: Nachsatz 08.05. – und Meister sind se nu auch … 😉


Däumchen drücken, büdde büdde!

   Sagte ich schon, dass Bayern heute Abend um den Einzug ins Champions-League-Finale spielt? Nein? Okay, also
   Bayern München spielt heute Abend bei Olympique Lyon um den Einzug ins Champions-League-Finale…
   Das Hinspiel haben die Bayern mit 1:0 gewonnen. Ist nicht viel, aber wenigstens kein Gegentor. Und Robben
 
  kann ja auswärts immer selber ein Törchen schießen. Die Franzosen scheinen im Übrigen ein wenig Angst vor den
   Bayern zu haben: sie haben nämlich ihr normales Liga-Punktspiel am vergangenen WE extra verlegen lassen, die
   Feiglinge…  😉 Hm, ob sie wirklich ausgeruhter spielen, wie sie angekündigt haben? Hoffentlich nicht!!!
Jedenfalls werde ich heute Abend brav vor dem Fernseher hocken und sämtliche Pfötchen und Zehen drücken. SAT 1 überträgt;
Anpfiff ist um 20.45 Uhr.


Herr Backenzahn

Ich habe (mal wieder) eine dicke Backe… äh, Wange. Gestern war noch einmal Zahnarztbesuch angesagt; der böse, alte, kaputte, hinterste linke Backenzahn sollte raus. Sollte – wollte aber nicht. Erst mal ließ sich der blöde Zahn nicht richtig betäuben; der Nerv meckerte andauernd. Also jagte Frau Doktor nach drei fruchtlosen Betäubungsspritzen drei weitere DIREKT in den Nerv. Ich = gaaanz tapfer, aber trotzdem = auauaaua… Dann ließ sich der dumme Zahn einfach nicht ziehen. Also schnippelte Frau Doktor das Ganze noch an zwei, drei weiteren Stellen auf, damit sie besser dran kam. Unter Protest kam Herr Backenzahn dann endlich raus, allerdings nur in diversen Einzelteilen. narf*
Und die Moral von der Geschicht‘: Suppe schmeckt wirklich gut…  


Käferbahn und Trampolin

Am Sonntag sind wir mit Lena nach Bottrop ins Schloß Beck gefahren, das ist ein Freizeitpark vor allem für jüngere Kinder bis zwölf Jahre. Bei strahlendem Sommerwetter und 26 Grad sind wir ganz schön ins Schwitzen gekommen – vor allem der Göttergatte, der mit Lena die Sachen wie Wasser- oder Riesenrutsche erklimmen mußte, während ich unten mit Kamer bewaffnet auf die Abenteurer wartete. Lena war denn auch voll begeistert: vor allem die „Käferbahn“, eine kleinere Achterbahn, hatte es ihr angetan. Und seltsamerweise die großen Trampoline, die gleich im Eingangsbereich aufgebaut sind. Als wir nach rund drei Stunden total k.o. waren und heimfahren wollten, gab es ein großes Geschrei, Theater und Gebrüll, weil Lena nämlich partout NICHT von diesen dusseligen Trampolinen herunter wollte. Oh je, da mußten wir aber energisch werden – mit dem Erfolg, dass sie erst mal „nicht mehr unsere Freundin“ war… ups… Zuhause bei uns im Garten wurde dann noch weiter getobt, ehe wir sie am frühen Abend heimfuhren. Ich bin sicher, nicht nur wir haben nachts tief und fest geschlafen!!! 😉

Wie immer: ein paar Schnapp/Schnellschüsse (=>Klick=Großansicht!)

   Lena auf der Fluss-Schaukel               Lena und Ippi auf der Riesenrutsche              Lena im kleinen Riesenrad                Lena auf dem Trampolin      


Benjamin Blümchen und Vampir-Romane

Nachdem wir nun vorgestern erneut zu einer Beerdigung fahren mußten, bin ich derzeit für ein wenig Ablenkung ganz dankbar. Zum Glück trudelt morgen wieder Lena für drei Tage ein, und zum Glück ist ja auch wunderschönes Frühlingswetter angesagt – mal sehen, was man da so anstellen kann. Mein GöGa plädiert ja dafür, in den Centro Park nach Oberhausen zu fahren. Das ist ein Freizeitpark für kleinere Kinder, der dieses Jahr wohl in seine letzte Saison geht. Also werden wir da wohl mal Benjamin Blümchen und Co. besuchen gehen, und meine Kamera wird sich bestimmt auch über neue Motive freuen.

Ansonsten lese ich derzeit gerne, und da mir nach den familiären Aufregungen der letzten Zeit nicht so ganz der Sinn nach anspruchsvoller Lektüre stand, habe ich doch tatsächlich eine sehr erfolgreiche Serie von sogenannten Vampir-Romanen in Angriff genommen, die sich auf rätselhafte Art und Weise in meinem Bücherregal breit gemacht hat. Es handelt sich um die „Dark Ones„-Serie von Katie MacAlister und beinhaltet sechs Bände mit so sinnigen Titeln wie

Okay, ich weiß ja, dass diese Bücher wirklich viele Fans haben (vor allem weibliche), aber ehrlich gesagt ist mir ein Rätsel, warum – so einen Sch… rott habe ich selten gelesen! Die Heldinnen sind allesamt Amerikanerinnen und zeichnen sich durch einen ununterbrochenen Redefluß aus. Außerdem denken sie andauernd nur an das Eine, nämlich an Sex. Keine Ahnung, wieso – die Amerikanerin an sich soll ja eher prüde sein, aber in diesen Büchern dreht sich alles nur darum, wie frau möglichst schnell… naja. Irgendwie kann ich mir so gar nicht vorstellen, wie sich die dort dargestellten Dialoge zwischen Männlein und (amerikanischem) Weiblein in der Realität abspielen, und weil so was in der Realität tatsächlich nicht vorkommen dürfte, hat die Autorin ihre männlichen Hauptdarsteller sowie die Handlungen der Bücher auch allesamt nach Europa verfrachtet (okay, und natürlich auch, weil Vampire ja dort beheimatet sind). Ein einziges Buch hat mir einigermaßen gefallen und würde bei mir mit drei Sternen zumindest ein „Befriedigend“ erreichen, und das ist Kein Vampir für eine Nacht. Allerdings auch nur, weil in diesem Buch eine Reihe von Geistern auftritt, die sich als ziemlich nervtötend erweisen und die ich doch recht witzig fand; der Rest der Bücher ist nicht der Rede wert. Anfangs lacht man ja noch über die unfreiwillig komischen Sex-Szenen, aber die sind nach einiger Zeit furchtbar nervtötend, und stirnrunzelnd blättert man schnell weiter, um wenigstens die Auflösung der „Handlung“ noch mitzubekommen.
Fazit: Och nö!!! Ich werde die gesamte Serie schleunigst in der „Bucht“ verscheuern und hoffen, dass sich wenigstens dort ein paar Fans dieses Genres finden…


Holland: Besuch im Openluchtmuseum in Arnheim

Nachdem am vergangenen WE ja wunderschönes Wetter herrschte und ich nach der Nachricht vom Tod meines Onkels dringend eine Abwechslung brauchte, sind wir vergangenen Sonntag nach Holland gefahren, und zwar ins rund 150 km entfernte Arnheim, um dort das Openluchtmuseum zu besuchen. Inmitten eines waldreichen Parks befindet sich am Rand der Stadt ein Museum mit rund 80 historischen Häusern, Bauernhöfen und Mühlen, anhand derer man einen schönen Einblick in das tägliche Leben der niederländischen Bevölkerung in den letzten 350 Jahren erhält. Bei idealen Temperaturen um 23 Grad sind wir rund zweieinhalb Stunden gemütlich durch den Park geschlendert und haben über „die gute alte Zeit“ mit all ihren Mühen gestaunt. Wer nicht oder nur einen Teil der Strecke zu Fuß gehen will, kann sich auch von der historischen Straßenbahn fahren lassen, was vor allem für Familien mit kleinen Kindern praktisch ist. Für die gibt es übrigens einen kleinen Spielplatz mit Irrgarten zum Toben. Gut gefallen hat uns vor allem die kleine Dorfschule, die alte Schmiede, die alte Käsefabrik Freia mit der fauchenden Dampfmaschine und das hübsche Gelände um den Schloßbauernhof mit Paltrock- und Poldermühle und einem kleinen See. Auch schön: es gibt einen prima Museumsführer (in Deutsch) mit ausführlichen Erklärungen zu Gebäuden und Leben der früheren Bewohner zum Nachlesen. Abschließend noch ein Tipp: absolut sehenswert ist die Ausstellung am Indischen „Hof hinter dem Haus“, in der von Spardosen bis hin zu Gartenzwergen alles Mögliche, was Menschen sammeln können, vorgestellt wird – unbedingt ansehen, vor allem den ’schrägen‘ Dachboden der Familie Wietsma!

Fotoauslese:

Buchstäblich ’schräg’ aufgebauter Dachboden der Familie Wietsma im Rahmen der Ausstellung “Dingenliefde”     Der formale Garten, ein Barockgarten, mit geschnittenen Buchsbaumhecken, runden Figuren und vertikal geschnittenen Taxusbäumen, liegt genau zwischen dem ehemaligen Eingangstor des Museums und dem Teehaus    Bauernhof und Brunnenhaus, Krawinkel, Gemeinde Geleen (Limburg)      Landgaststube, Budel, Gemeinde Budel (Nordbrabant)      Dampfmaschine in der Molkerei Freia     Die Dampfmolkerei Freia wurde 1879 als erste private friesische Käse- und Butterfabrik gegründet und arbeitete bis 1969         

Anzeigentafel im Straßenbahndepot, einem teilweisen Wiederaufbau des alten, 1944 während der Schlacht um Arnheim zerstörten Arnheimer Straßenbahndepots    Schmiede, Loerbeek, Gemeinde Bergh (Gelderland)     Schloßbauernhof (Mitte) mit Paltrockmühle (rechts) und Poldermühle     Bockmühle, Huizen, Gemeinde Huizen (Nordholland), von 1665     Kaufmannshaus, Koog aan de Zaan, Gemeinde Zaanstad (Nordholland)     Kleines Bauernhaus, Harreveld, Gemeinde Lichtenvoorde (Gelderland). Mit dem ungewöhnlichen blauen Anstrich wollte man Fliegen vom Haus fern halten                
 

(=> Klick = größeres Bild! Mit der Maus über das Vorschaubild fahren => Erklärungen zu den einzelnen Bildern!
© H. Theißen – Kopieren und Vervielfältigen verboten!)

   


+ Und schon wieder ein Abschied…

  Ich habe es schon Anfang des Jahres geahnt: dieses Jahr steht im Zeichen des Todes. Und wieder
  heißt es Abschied nehmen von einem Menschen, mit dem mich nicht nur eine erlebnisreiche Kindheit
  und viele, viele Erinnerungen verbunden haben: mein Onkel Horst ist gestorben. Ich wollte ihn und
  meine Tante eigentlich im Mai besuchen, der Besuch war schon geplant und abgesprochen, und nun…
 
  Mir ist so weh ums Herz.

  Den eigenen Tod,
  den stirbt man nur,
  mit dem Tod der anderen
  muss man leben…


Lauschangriff: Hörbücher

Hörbücher sind prima, wenn man wie ich oft öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Gerade abgehört habe ich etwas ziemlich
kurioses: „Die Schimauski-Methode“ von Walter Moers. Es unterhalten sich zwei Mäuse, genauer gesagt
interviewt Lydia Lindmaus den leicht zerstreuten Titelhelden, Professor Dr. Schimauski. Sie befragt ihn nach seinen
genialen Entdeckungen, und er berichtet ausführlich, was im Kühlschrank passiert, wenn das Licht ausgeht, warum
sein Toast auf einmal verbrannt aus dem Toaster kommt (der den Toaster bewohnende Drache ist krank!), warum
Nervensägen für Zahnschmerzen verantwortlich sind und derlei absurde Dinge mehr. Lydia Lindmaus wird von
Ilona Schulz gesprochen; ihre Stimme paßt wunderbar zu der neugierig-piepsigen Mäusedame und erinnerte mich zeitweilig an die legendäre Berliner Schauspielerin Edith Hancke. Und auch Robert Missler nimmt man den fahrigen Professor gerne ab.
Fazit: Man muß den schrägen Humor von Käpt’n Blaubärs Schöpfer mögen. Was ich normalerweise auch tue. Walter Moers hat hier zwar erneut unglaublich viel Phantasie bewiesen, indem er Dinge in Zusammenhänge stellt, auf die man nie gekommen wäre, und das hat mich auch schmunzeln lassen, aber irgendwie riß mich dieses Hörbuch nicht wirklich vom Hocker, dafür fand ich es doch zu klamaukig. Für eine nette, humorvolle Stunde in der Bahn dennoch gut geeignet! Und diese Mutmach-Marmelade hätt‘ ich auch ganz gerne…
Hörprobe

Aus einem ganz anderen Genre, nämlich dem des Krimis, kommt das Hörbuch, welches ich gerade höre: „Kalteis
von Andrea Maria Schenkel. Als gedruckte Ausgabe 2007 ein absoluter Bestseller, fand ich nun im Hörbuch-
Magazin „hörBücher“ eine überschwengliche Rezension, die das Hörbuch zu einem „absoluten Muss“ erklärte und
mich neugierig machte – vor allem, weil die von mir sehr geschätzte Monica Bleibtreu als Sprecherin fungiert. Los
geht es im Hörbuch gleich mit der Auflösung des Plots, nämlich der Hinrichtung des Mörders Josef Kalteis. Kalteis
ist übrigens einer Person aus den 30ern nachempfunden: damals terrorisierte jemand namens Johann Eichhorn
München und Umgebung, vergewaltigte an die 90 Frauen und ermordete fünf von ihnen. Erst 1939 konnte er gefaßt werden. Eines seiner Opfer war damals die 16jährige Maurerstochter Katharina Schätzl, die vom Land nach München gekommen war, um dort Arbeit zu finden und „ihr Glück zu machen“. Sie stand augenscheinlich Patin für Schenkels Romanfigur Kathie. Weiter geht es dann in Rückblicken: die Rahmenhandlung in „Kalteis“ bilden Prozessakten, Zeugenaussagen und die Aussagen des Mörders, eingestreut wird Kathies Geschichte.
Fazit: An sich keine schlechte Idee, mir fehlt aber der Fluß bei diesem Hörbuch. Zugegeben, Monica Bleibtreu liest klasse; es ist einfach unglaublich, wie variabel ihre Stimme ist und wie sie selbst aus dem doch ziemlich nervtötenden Möchtegern-Bayrisch, in dem die Geschichte erzählt wird, noch etwas Hörenswertes macht. Der Dialekt stört nach einiger Zeit aber, das Hin- und Her in der Handlung auch, Spannung kommt nicht auf (jedenfalls bei mir nicht). Eigentlich bin ich kein Krimi-Fan… und fest steht, dass ich auch nach „Kalteis“ keiner werde! Die Geschichte fand ich langweilig umgesetzt – die zwei Sterne verdient sich einzig und allein die unvergessene Monica Bleibtreu für ihre wirklich tolle Sprecher-Leistung.
Hörprobe

– „Die Schimauski-Methode“ von Walter Moers; Verlag: hörcompany; ISBN: 3939375829; Dauer: 58:58; Preis: 9,95 Euro; Wertung: ***
– „
Kalteis“ von Andrea M. Schenkel; Verlag: Hörbuch Hamburg; ISBN: 3899038150; Dauer: 5:17:35; Preis: 12,95 Euro: Wertung: **


Fußball: wenn Robben hinter Robben robben…

        Dreimal getrommelt und gepfiffen, 
     Hipp-Hipp-Hurra: Halbfinaaale!!!

       Und mal im Ernst: war das Tor von Robben nicht ein richtiges Sahneteil?

(Für alle, die nicht den blassesten Schimmer haben, wovon ich hier rede: Bayern München hat gestern Abend nach 2:1-Sieg in München und 2:3-Niederlage in Manchester aufgrund der beiden auswärts geschossenen Tore das Halbfinale der Champions League erreicht – zum ersten Mal nach neun Jahren…)


Buchbesprechungen

Von Ort zu Ort: eine Jugend in Pommern von Maria Wellershoff

Maria Wellershoff ist die Frau des bekannten Kölner Schriftstellers Dieter Wellershoff. Geboren 1922 als Maria von Thadden, stammt sie aus einem altem ostelbischem Adelshaus in Pommern. In diesem Buch hat sie, schon hoch in den Achtzigern stehend, ihre Jugenderinnerungen veröffentlicht. Darin dreht sich (zunächst) alles um das heimische Schloß Trieglaff in der Nähe von Greifenberg/Pommern. Nach Erbstreitigkeiten zieht die Familie dann nach Vahnerow um. Maria wächst mit ihren fünf Geschwistern unbeschwert und sehr behütet auf; Kontakt zu den Dorfbewohnern gibt es höchstens mal bei einer Beerdigung, ansonsten bleiben die Geschwister von der Welt „dort draußen“ abgeschnitten. Aus erster Ehe des Vaters sind da noch mehrere, viel ältere Halbgeschwister, aber auch zu denen gibt es kaum Kontakt. Maria Wellershoff beschreibt, wie sich aus Sicht eines Kindes die damalige Welt für eine kleine Adelige aus Pommern darstellte: da ist das geliebte Pony, sind die Kaninchen, einen Spielplatz gibt es auch. Im Schloß werden Literaturabende und Feste gefeiert. Reich sind die von Thadden-Kinder nicht, aber Margarine aufs Brot streichen – nein, das ist denn doch zu schlimm, das schmeckt gruselig, das bedeutet, wirklich arm zu sein…
Die Autorin beschreibt ausführlich ihre Schulzeit in verschiedenen Gymnasien, Internaten und Stiften. Sie holt ihr Abitur nach, studiert dann Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte an mehreren, über das Deutsche Reich verteilten Universitäten. Nach dem Krieg landet sie in Göttingen, wo sie endlich ihr aufgrund der Kriegswirren unterbrochenes Studium wieder aufnehmen kann.

Das Buch hinterließ bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Ich habe lange gebraucht, um mich wirklich einzulesen; vor allem die Beschreibungen ihrer Kindheit lesen sich manchmal doch sehr „holperig“. Vieles fehlt mangels Erinnerung, bleibt zu vage. Auch als die Nazionalsozialisten an die Macht kommen, fehlen mir Hintergrundinformationen. Die Familie ist gegen die Nazis – warum genau, wird aber nur angedeutet: zu proletenhaft die Stimmen und die Führer, dann die Repressalien gegen befreundete Juden… Die wesentlich ältere Halbschwester Elisabeth wird verhaftet, wegen defätistischer Äußerungen, und schließlich sogar hingerichtet. Hier hätte ich mir ebenfalls mehr Infos gewünscht; das Thema wird nur angerissen. Immer hat man als Leser das Gefühl: „da muß doch noch mehr gewesen sein?“ Sehr ausführlich werden dagegen Studienzeit und die verschiedenen Unis beschrieben. Das Kriegsende läuft bei Maria von Thadden relativ ruhig und gesittet ab; sie begibt sich mit Bruder Ado zu den Amerikanern, landet bei Verwandten in Göttingen. Was dagegen genau bei der in Pommern verbliebenen Mutter passiert ist, bleibt wieder vage und nur angedeutet.

Fazit: „Mit leichter Hand und einer wundervoll eindringlichen Sprache bringt die Autorin uns ihre Kindheit und Jugend nahe“ – so steht es im Klappentext des Buches. Dem kann ich nicht ganz zustimmen; zu holperig und zu wenig fließend erschien mir vor allem am Anfang der Stil der Autorin. Mit Dauer des Buches gibt sich das zum Glück ein wenig. Und obwohl man immer wieder innerlich den Kopf schüttelt über die zeitweilige Blauäugigkeit der von Thaddens, schafft es die Autorin doch, sie einem nahe zu bringen. Gut gefallen hat mir die Beschreibung, wie eine junge Frau damals dachte, womit sie sich in der Freizeit beschäftigte etc. Obwohl auch hier die Autorin sicherlich nicht für den Durchschnitt der damaligen Bevölkerung steht, wie sie auch selber zugibt: da wird sich z.B. über die teilweise doch sehr „rüde“ Sprache der anderen (bürgerlichen und weniger gebildeten) Mädel im Arbeitsdienst gewundert. Dennoch: der Einblick in die wohlbehütete Welt des pommerschen Adels gefällt. Und läßt einen staunen: war das damals bei denen wirklich so? Du liebe Güte… Wertung: ***

Die Geheimnisse des Nicholas Flamel – Die mächtige Zauberin von Michael Scott

Im krassen Gegensatz zur deutschen Geschichte steht das davor gelesene Buch: Fantasy, vor allem gedacht für  Jugendliche. „Die Mächtige Zauberin“ ist Teil drei der Reihe um das unsterbliche Magier-Paar Nicolas und Perenelle Flamel (eine ausführliche Renzension der ersten beiden Teile gibt es hier). Im dritten Teil geht es furios weiter: Nicolas und die Zwillinge landen in London. Nicolas Flamel will die Zwillinge hier in der dritten magischen Kraft, der Wassermagie, ausbilden lassen – und zwar von Gilgamesch, dem uralten unsterblichen und wahnsinnigen(?) König. London ist jedoch die Stadt von Flamels Gegner Dr. John Dee, und der mobilisiert alsbald seine dort wohnenden Anhänger. Flamel und die Zwillinge schaffen es nur knapp, ihren Häschern zu entkommen. Derweil sitzt Nicolas‘ Frau Perenelle immer noch auf der von Monstern verseuchten Gefängnisinsel Alcatraz fest. Ihr gelingt es aber überraschend, sich von Seiten einer alten Feindin Hilfe zu verschaffen. Das ist auch bitter nötig, denn Dees Verbündeter Macchiavelli ist im Anmarsch, um die Zauberin endgültig zu vernichten…

Was mich bei dem dritten Teil nach wie vor fasziniert, sind die erneut auftauchenden Figuren und Monster aus der Mythologie und die historischen Personen. Obwohl ich zugeben muß, dass es langsam doch ein wenig viel werden – man verliert allmählich den Überblick. Gut gefällt mir eine der neuen Hauptfiguren, Cernunnos, und die Wilde Jagd. Cernunnos? Hä? Wer war das noch mal? Hm… Prompt wird man als Leser wieder dazu angeregt, den Gehörnten Gott mal zu googeln, um mehr über ihn zu erfahren. Und wie war gleich noch mal die Laufbahn von Billy the Kid? Das ist die große Stärke bei dem ganzen mythologischen Gewimmel: man wird neugierig auf die Geschichte derselben. Die Geschichte der Zwillinge Sophie und Josh dagegen fällt ein wenig ab (obwohl die eigentliche Zielgruppe dieser Bücher dies wahrscheinlich etwas anders sieht ;-)). Nervig ist auch, dass das gesamte Buch im Prinzip nur einen Zeitraum von ein, zwei Tagen beschreibt und dabei stellenweise zu ausführlich, ja sogar langatmig wird – da hätte Scott straffen können. Erst am Ende wird die Handlung holterdipolter schneller, sogar fast zu schnell. Gut gelöst finde ich dagegen, wie sich Perenelles Schicksal entwickelt. Na, und dann die Überraschung mit der unfreiwilligen Zeitreise von Scathach und Johanna…

Fazit: eine gelungene Fortsetzung der Jugendbuch-Fantasy-Reihe. Die Spannung kommt nicht zu kurz, auch der Humor fehlt nicht. Und natürlich will man wissen, wie es weitergeht: wie zum Geier kommen z.B. Scathach und Johanna aus ihrer prekären Lage heraus, und wer ist die rothaarige Frau, die bei den Zwillingen auftaucht? Und wer, bitte schön, ist denn nun der eigenliche Meister von John Dee? Trotzdem sollte Autor Scott aufpassen, dass er nicht zu viele Elemente in der Reihe verwendet: erst die vielen mythologischen Figuren, dann die historischen, nun auch noch Zeitreisen – das droht, zu überladen zu werden. Einen Sonderstern gibt es ansonsten wieder für den wunderschön gestalteten Einband! Tja – leider heißt es nun wieder ein Jahr auf Band vier warten… Wertung: ****

Von Ort zu Ort: eine Jugend in Pommern„; Seiten: 440; Verlag: Dumont; ISBN: 3832195300; Preis: 22,95 Euro; ***
Die Geheimnisse des Nicholas Flamel – Die mächtige Zauberin„;  Seiten: 528; Verlag: cbj; ISBN: 3570137848; Preis: 18,95 Euro; ****