Kategorie: Historisches

Holocaust-Gedenktag

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Im Jahr 2005 erklärten die Vereinten Nationen dieses Tag zum  Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Der Gedenktag will an alle Opfer während des Nationalsozialismus erinnern: zu diesen gehörten vor allem Juden, aber auch Christen, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, politisch Andersdenkende und Widerständler, Kriegsgefangene, Deserteure, viele Zwangsarbeiter. Unter den Opfern waren auch viele Wissenschaftler, Künstler und Journalisten.

Allein im Konzentrationslager Auschwitz wurden zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen ermordet. Wie viele Menschen in den Lagern genau umkamen, wird wohl nie geklärt werden können – ebenso wenig, wie viele Opfer der Nationalismus wirklich forderte: niemand weiß, wie viele Menschen in der KZ-Vernichtungsmaschinerie, den Massenerschießungen, Todesmärschen, Euthanasie-Programmen usw. wirklich starben.

An alle soll der heutige Gedenktag erinnern. Und diese Erinnerung darf nicht enden.


Holocaust-Gedenktag 2011

Gestern, am 27. Januar, war Holocaust-Gedenktag. An diesem Tag wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht; in Deutschland ist der 27. Januar ein nationaler Gedenktag und wird seit 1996 begangen. Damals, am 3. Januar 1996, wurde der Holocaust-Gedenktag vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. Am 27. Januar 1945 hatten nämlich Soldaten der Roten Armee die letzten Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Der Tag will aber nicht nur an die rund sechs Millionen Juden, sondern an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern: neben Juden auch an Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.

“Holocaust” kommt übrigens ursprünglich vom griechischen olokautev, was “ein Brandopfer darbringen” bedeutet und die englische Bezeichnung für den Massenmord in den Verbrennungsöfen der Konzentrationslager im Dritten Reich ist. Die jüdische Bezeichnung bedeutet “Tag der Schoah” kommt vom neuhebräisch Begriff Shoah, der die Tötung einer grossen Zahl von Menschen oder eines ganzen Volkes bezeichnet und sich insbesondere als Begriff für die Verfolgung, Gettoisierung und Vernichtung der europäischen Juden während der NS-Herrschaft in Deutschland und Europa eingebürgert hat. 

Dieses Jahr gab es im TV doch einiges zu sehen; leider wie immer meist erst zu später Stunde, um Mitternacht, aber es wurden doch einige gute Doku’s und Filme gezeigt. Dabei habe ich gelernt (was ich in diesem ganzen Ausmaß auch noch nicht wusste), dass Auschwitz eigentlich nicht nur ein KZ war, sondern ein ganzer Komplex: bestehend aus dem Stammlager Auschwitz I, dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (II) und Auschwitz-Monowitz (III) – und rund 50 weiteren Lagern, Betrieben, Bauernhöfen, einer Forschungsanstalt, Zweigstellen von Firmen wie Siemens oder IG Farben usw. Also eine riesige Anlage, verstreut über viele Kilometer; Monowitz lag z.B. sieben Kilometer vom Hauptlager entfernt.

Tipp: hier unter diesem Link gibt es eine wirklich tolle Seite über Auschwitz mit vielen Ansichten und Fotos – und auch einem drehbaren Rundum-Panorama von der berühmt-berüchtigten Rampe. Unbedingt mal ansehen!


Marion Gräfin Dönhoff

Das heutige Datum, der 11. März, ist bei mir geprägt von zwei sehr wichtigen Frauen. Erstens hatte meine Mutter
am 11. März Geburtstag; sie wäre heute 68 Jahre alt geworden. Zweitens ist der 11. März der Todestag einer von
mir hoch geschätzten Frau: Marion Gräfin Dönhoff (*02.12.1909, +11.03.2002), eine der bedeutendsten
Publizistinnen des 20. Jahrhunderts, Chefredakteurin und Mitherausgeberin der Zeitung „Die Zeit„. Die in
Ostpreußen auf Schloß Friedrichstein geborene Autorin schrieb über 20 Bücher und wurde vielfach
ausgezeichnet, bekam u.a. auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1971). Die Gräfin wäre im
Dezember 100 Jahre alt geworden.
Was mich an ihr immer beeindruckte, war ihre Einstellung zum Thema Ostpolitik: obwohl sie ihre Heimat 1945
verloren hatte, war sie zu Frieden und Versöhnung bereit, akzeptierte die Ostgrenzen, pochte nicht auf Zurückgabe
der alten Güter. Und sie war schon früh ein Freigeist, rebellierte gegen die ihrer Meinung nach überalteten Regeln
im Mädchenpensionat, ging danach als einziges Mädchen in die Klasse einer Jungenschule. Anfang der 30er Jahre unternahm sie Reisen in die USA und nach Afrika, anschließend studierte sie Volkswirtschaft – alles nicht gerade üblich damals. Und: sie gehörte indirekt zum Widerstand gegen Hitler, unternahm Botengänge für Mitglieder des Kreisauer Kreises um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Da ihr Name aber auf keiner offiziellen Liste der Verschwörer stand, konnte sie der Gestapo entgehen.
Am vergangenen Sonntag lief, wie schon zuvor angesprochen, in der ARD die Wiederholung des Fernsehfilms „Die Flucht„. Thema des Films ist die Flucht aus Ostpreußen, auf der ab Januar 1945 ca. 300.000 Deutsche ums Leben kamen. Auch Marion Gräfin Dönhoff musste 1945 flüchten; auf ihrem Pferd Alarich legte sie nahezu 1.200 km zurück, landete schließlich in meiner ehemaligen Heimat Ostwestfalen-Lippe, genauer gesagt in Vinsebeck bei Steinheim auf dem dortigen Schloß der Grafen von Metternich. Da auch ein Teil meiner Familie väterlicherseits (mein Vater, meine Großmutter, meine Tante) aus Ostpreußen stammt und damals vor der Roten Armee flüchten mußte, interessiert mich dieses Thema sehr, und ich habe mir den gerade gelaufenen Film gerne noch einmal angeschaut.
Außerdem habe ich ihn zum Anlass genommen, wieder einmal eines meiner Lieblingsbücher hervor zu kramen. Vorstellen muss man es eigentlich nicht, aber ich mache immer wieder gerne mal darauf aufmerksam:

  „Kindheit in Ostpreußen von Marion Gräfin Dönhoff

Marion Gräfin Dönhoff gehörte zu einem der ältesten ostelbischen Adelsgeschlechter. In diesem Buch beschreibt sie
mit leichter Hand aus der Sicht eines Kindes ihre Kindheit in Ostpreußen und auf dem Stammsitz der Familie,
Schloß Friedrichstein. Das könnte langweilig sein, ermüdet aber keinen Augenblick, eben weil sie alles mit
Kinderaugen betrachtet. Im Gegenteil: man muss unwillkürlich grinsen, wenn man sich die zerknirscht nach Hause
schleichende Marion vorstellt, weil sie wieder etwas angestellt hat. Und auch die kleinen Anekdoten zwischendurch
animieren einen immer wieder zum Schmunzeln: so kann man sich gut vorstellen, wie das ausgesehen haben mag,
als die Hunde der Mutter Abführpillen als Leckerlis stiebitzten! Was das Buch aber so interessant macht, ist der
Einblick in die (ostpreußische) Adelsgesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier hat sich Marion Gräfin Dönhoff enorme Mühe gegeben beim Recherchieren, genauso akribisch wie übrigens auch bei der eigenen Familie, von der sie einzelne Vorfahren und natürlich auch lebende Personen vorstellt. Außer Acht gelassen werden selbstverständlich auch die Regeln des Anstands und der Moral nicht, die sie mit einem Augenzwinkern beschreibt: „Das tut man nicht“ ist z.B. oberster Leitsatz der Mutter, die stets darauf achtet, dass alles comme il faut ist. Glücklicherweise gab es aber sieben Kinder im Dönhoffschen Haushalt, und so wurde die kleine Marion mehr oder weniger vergessen, konnte tun und lassen, was sie wollte. Wie gut, dass wenigstens die Hausangestellten wie Kutscher Grenda, Diener Fritz oder Gärtner Krebs für etwas Erziehung sorgten!
Fazit: ein wunderbar geschriebenes Buch! Das erste, welches ich je zum Thema Ostpreußen zur Hand nahm, schon viele Male gelesen habe, alle paar Jahre immer wieder aus dem Bücherschrank hervor krame und stets mit großem Vergnügen von neuem lese. Ein Muss!

Namen, die keiner mehr kennt: Ostpreußen – Menschen und Geschichte

greift die in „Kindheit in Ostpreußen“ vorgestellten Menschen und deren Schicksale auf. Wer also wissen möchte, wie
es genau z.B. mit Heini Lehndorff weiter ging, sollte sich unbedingt auch dieses Buch von Marion Gräfin Dönhoff
ansehen. Man bekommt jedoch auch noch einmal einen ausführlichen Einblick in die Geschichte des Landes. In
diesem Buch sind sechs Geschichten vereint: „Nach Osten fuhr keiner mehr“ handelt von ihrer Flucht zu Pferd
nach Westen. Die Liebe zu den Pferden und dem Land kommt besonders in „Ritt durch Masuren“ durch; eigentlich
Tagebuchskizzen für den Bruder über einen 1941 unternommenen mehrtägigen Ausritt, den sie mit ihrer Freundin
Katrin „Sissy“ Lehndorff unternahm. „Die zu Haus blieben, sind nicht mehr allein“ erinnert an Bekannte und Freunde,
die im Krieg umkamen. „Leben und Sterben eines ostpreußischen Edelmannes“ ist dem bewunderten HeinrichHeini“ Graf Lehndorff gewidmet, dem Bruder ihrer Freundin Sissy, der am Attentat des 20. Juli beteiligt war und dafür gehängt wurde. „Wirtschaftwunder vor zweihundert Jahren“ und „Stets blieb etwas vom Geist des Ordens“ schließlich rundet das Bild ab, liefert Hintergrundinfos zur Geschichte des Landes und schildert Auszüge aus der Familiengeschichte.

Sehr lesenswert ist auch noch

Um der Ehre willen„.

Hier gedenkt sie ihrer Freunde, die nach dem 20. Juli ums Leben kamen: Albrecht Graf von Bernstoff, Axel Freiherr
von dem Bussche, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Helmuth James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von
Wartenburg,
wieder ihr bewunderter und geliebter Cousin Heinrich „Heini“ Graf Lehndorff sowie Adam von Trott zu
Solz
.
Eines der besten Bücher über den deutschen Widerstand – man kann beispielsweise sehr gut nachvollziehen,
wie die Verschwörer dachten, wie es zu den Attentatsversuchen kam, warum und woran sie gescheitert sind.

Wer mehr über Marion Gräfin Dönhoff erfahren will, kann auf mehrere Biographien bzw. Erzählungen zurück greifen, u.a. von Klaus Harpprecht („Die Gräfin: Marion Dönhoff„), Friedrich Dönhoff („Die Welt ist so, wie man sie sieht„) oder Dieter Buhl („Marion Gräfin Dönhoff: Wie Freunde und Weggefährten sie erlebten„).

Mir hat besonders gefallen:

Marion Dönhoff: Ein widerständiges Leben“ von Alice Schwarzer.

  Hundert Jahre alt wäre die Gräfin heute; verfasst wurde dieses Buch anläßlich ihres 85. Geburtstags, also vor
15 Jahren. Schon damals, als ich das Buch zum ersten Mal las, reizte mich das Unterschiedliche der beiden Frauen:
nanu, die „Emanze“ Alice Schwarzer und die Dönhoff? Was wohl dabei heraus kommt? Etwas Gutes! Schwarzer
kommt der Gräfin in ihrem Buch sehr nahe, ohne verklärend zu wirken, kritische Zwischentöne fehlten nicht,
aber Gott sei Dank ließ sie das Feministisch-Emanzenhafte völlig heraus. Davor hatte ich nämlich Angst…
Als sehr angenehm empfand ich die gewisse Prise Humor, die Schwarzer aufblitzen ließ, und am Ende des Buches
dachte ich so bei mir: diese beiden Frauen haben trotz ihrer Unterschiedlichkeit gewiss manch nette Stunde
miteinander verbracht. Und wenn man dies als Leser bei einer Biographie ebenfalls spürt – umso besser!

 


Die große Flucht

Am WE lief in der ARD die Wiederholung des Fernsehfilms „Die Flucht“ von Kai Wessel. Thema des Films ist die Flucht aus Ostpreußen, auf der ab Januar 1945 ca. 300.000 Deutsche ums Leben kamen. Da auch ein Teil meiner Familie väterlicherseits (mein Vater, meine Großmutter, meine Tante) davon betroffen war, interessiert mich dieses Thema sehr, und ich habe mir den Film gerne noch einmal angeschaut.

  Einige historische Fakten:

 

Die sowjetische Winteroffensive im Osten begann am 12. Januar 1945. Aber bereits im Oktober 1944 hatte die große Flucht in Ostpreußen eingesetzt, im Januar und Februar 1945 wurde sie auch in Schlesien, Pommern und Westpommern zu einer Massenbewegung, die Zehntausende in den Tod führte. Monatelang hatten nationalsozialistische Gauleiter Durchhalteparolen ausgegeben und den Rückzug in sicheres Gebiet verboten. Parteibonzen versuchten bis zum letzten Augenblick den Anschein zu wahren, dies sei nicht das Ende. Erst als die Artillerie der Roten Armee bereits zu hören war, begann an vielen Orten im deutschen Osten die Flucht. Vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen versuchten sich mit dem Allernotwendigsten in Sicherheit zu bringen – zu Fuß oder mit Pferdewagen, bei Minustemperaturen und in ständiger Angst, von der Front eingeholt zu werden. Nach dem von Deutschland begonnenen Krieg und dem brutalen Besatzungsterror vor allem in Polen und der Sowjetunion wurden sie zudem oft die Opfer von Racheakten, die von den Nationalsozialisten für Gräuelpropaganda ausgenutzt wurden. Beim Exodus der Ostdeutschen verloren 14 Millionen Menschen ihre Heimat, mehr als zwei Millionen ihr Leben.Allein aus den Gebieten östlich der Oder und Neiße flohen etwa zehn Millionen Menschen. Zu den dramatischsten Kapiteln der Flucht aus den deutschen Ostgebieten gehörte die Flucht von rund 2,5 Millionen Menschen über die Ostsee, gejagt von sowjetischen U-Booten. Viele Schiffe wurden bombardiert, so auch die „Wilhelm Gustloff“, mit der über 9.000 Menschen untergingen.
Wer noch ein Schiff erwischt hatte, konnte sich trotz der ständigen Gefahren auf See glücklich schätzen. Für mehr als zwei Millionen Ostpreußen war die „Frische Nehrung“, ein schmaler Landstreifen zwischen Königsberg und Danzig, der einzige Fluchtweg vor der Roten Armee in Richtung Westen, nachdem die Rote Armee das Land im Januar 1945 eingekesselt hatte.Zehntausende führte er in den Tod. Auf überladenen Fuhrwerken oder zu Fuß, bei mehr als 20 Grad Kälte wurde der große Treck zum großen Sterben. Nachdem der Weg nach Westen abgeschnitten war, blieb den ostpreußischen Flüchtlingen nur noch der Ausweg über das zugefrorene Haff an die Ostseehäfen. Schon die Überquerung des zu­gefrorenen Haffs bis zum Landstreifen, der Nehrung, war für viele ein Wettlauf mit dem Tod. In der dunklen Eiswüste kamen sie vom festen Weg ab, verirrten sich und brachen ein. Tausende wurden Opfer von Luftangriffen und sowjetischer Artillerie, wurden von Bomben zerfetzt. Tausende blieben liegen, erfroren, starben an Erschöpfung. Viele wurden von den sowjetischen Panzern eingeholt und überrollt, wurden zur Zielscheibe eines Hasses, den andere Deutsche zuvor gesät hatten. Noch während die Menschen in Massen flohen, legten die Alliierten auf der Konferenz von Jalta die Nachkriegsordnung Europas fest. Darauf wurde nicht nur die Oder-Neiße-Grenze als polnische Westgrenze vereinbart, sondern auch der Verlust der polnischen Ostgebiete, die bereits im Hitler-Stalin-Pakt der Sowjetunion zugeschlagen worden waren. Polen, das erste Opfer des Zweiten Weltkrieges, verlor nicht nur einen großen Teil seines Territoriums – auch zwei Millionen Polen verloren ihre Heimat. Sie wurden ins heutige Westpolen umgesiedelt – in Städte und Dörfer, deren deutsche Bewohner entweder bereits geflohen waren oder nun ihrerseits Opfer von Vertreibung und Umsiedlung wurden. Bis zu 14 Millionen Deutsche sind am Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und dem Sudetenland geflohen oder vertrieben worden. Aber: Flüchtlinge und Vertriebene gab es nicht nur in Deutschland: allein in Europa mussten zwischen 1939 und 1948 über 50 Millionen Menschen zwangsweise ihre Heimat verlassen.
                 

 

So weit ein paar historische Fakten. Ich persönlich bin immer wieder betroffen, wenn ich mir vorstelle, wie die ganzen Frauen, Kinder und Alten bei eisigen Temperaturen unterwegs waren, die Kinder starben, einfach am Wegesrand zurück gelassen werden mussten. Und ich ziehe den Hut vor diesen Frauen, denn es waren ja in der Mehrzahl Frauen, die das alles bewältigen mussten. Darunter, wie gesagt, auch meine Oma, und meine Tante, damals 12 Jahre alt, und mein Vater, 8 Jahre alt.
Das alles ist in diesen Tagen und Wochen 65 Jahre her.

Wer sich mehr Infos holen möchte: zum Film „Die Flucht“ ist ein Begleitbuch erschienen. Außerdem gibt es mehrere Sachbücher zum Thema „Flucht und Vertreibung“, u.a. von Guido Knopp und Jürgen Thorwald.

 


Die „Wilhelm Gustloff“ und was meine Familie damit zu tun hat

Heute vor 65 Jahren ist das Flüchtlingsschiff „Wilhelm Gustloff“ in der Ostsee gesunken. Rund 9.300 Menschen kamen damals schätzungsweise ums Leben – bisher das größte Schiffsunglück in der Geschichte der Seefahrt. Ursprünglich war die „Gustloff“ übrigens mal Kreuzfahrtschiff, eine Zeit lang sogar das größte der Welt: 1937 von Stapel gelassen, war sie über 208 Meter lang und an die 23 Meter breit, hatte ein Kino und Schwimmbad. Für die NS-Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) schipperte sie eineinhalb Jahre lang Urlauber durch die Gegend. Benannt wurde das Schiff nach einem fanatischen Nazi: Wilhelm Gustloff war Leiter der Schweizer Auslandsabteilung der NSDAP und 1936 in Davos von einem jüdischen Medizinstudenten erschossen worden.

Im Zweiten Weltkrieg bekam das Schiff einen grauen Tarnanstrich und lag vornehmlich als schwimmende Kaserne bzw. Lazarettschiff in Gotenhafen in der Danziger Bucht. Dort sammelten sich im Januar 1945 viele Menschen, die auf der Flucht der immer weiter Richtung Danzig vorrückenden Roten Armee waren: nahezu 1,5 Millionen Zivilisten und 500.000 deutschen Soldaten blieb als letzter Ausweg nur noch die Flucht über die Ostsee – Ostpreußen war nun vom Rest des Reiches abgeschnitten. Mit Schiffen sollen die Flüchtlinge übers Meer transportiert werden: jeder noch so kleine Kahn wurde dazu herangezogen, und auch die „Wilhelm Gustloff„. Eigentlich nur für etwa 1.400 Passagiere konzipiert, hatte das Schiff über 10.000 Menschen an Bord, vor allem Frauen und Kinder und ein paar hundert Soldaten. Die „Gustloff“ verließ Gotenhafen am 30. Januar 1945 gegen Mittag; wer sich auf dem Schiff befand, freute sich darüber, dass er noch mitgekommen war, kam nach und nach zur Ruhe, fühlte sich sicher. Abends um 21.15 Uhr dann passierte es: drei Torpedos eines russischen U-Boots schlugen in das völlig überfüllte, nur notdürftig mit ein paar Flaks ausgestattete Schiff ein. Nur wer sich auf dem oberen Deck befand, hatte überhaupt eine Chance, in eines der wenigen Rettungsboote zu kommen; viele Menschen wurden in den Gängen zu Tode getrampelt oder erfroren in der 2 Grad kalten, eisigen Ostsee. Vor allem die vielen Kinder hatten nahezu keine Überlebenschance – insgesamt überlebten nur etwa 1.200 Menschen. Ein Kriegsverbrechen war die Bombardierung der „Gustloff“ übrigens nicht: der Kommandant des russischen U-Boots hatte nach geltenden Regeln der Kriegsführung gehandelt.

Tja. Und was hat das nun alles mit mir bzw. meiner Familie zu tun? Auch ein Teil meiner Familie befand sich damals auf der Flucht: meine Großmutter, meine Tante und mein Vater (damals acht Jahre alt) waren ebenfalls in Gotenhafen gestrandet und hatten verzweifelt versucht, eine Passage auf der „Wilhelm Gustloff“ zu bekommen – vergeblich, das Schiff war überfüllt, sie durften nicht mehr an Bord. Was meiner Oma, meiner Tante und meinem Vater damals wie ein weiterer schlimmer Schicksalsschlag vorkam, sich aber später als ihr Glück entpuppte. Hätten sie es doch auf die „Gustloff“ geschafft, wären vor allem meine Tante und mein Vater als die Kinder, die sie ja noch waren, wohl umgekommen – und mich würde es heute nicht geben…


Holocaust-Gedenktag

Heute, am 27. Januar, ist Holocaust-Gedenktag. Ein Tag, der trotz vieler Veranstaltungen, Lesungen oder Gottesdienste oder auch der Feierstunde im Bundestag leider viel zu sehr im öffentlichen Leben unter geht und den meisten Deutschen nicht einmal bekannt ist, weshalb nicht oft genug auf ihn aufmerksam gemacht werden kann, wie ich finde.

Holocaust-Gedenktag. An diesem Tag wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht; in Deutschland ist der 27. Januar ein nationaler Gedenktag und wird seit 1996 begangen. Damals, am 3. Januar 1996, wurde der Holocaust-Gedenktag vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. Am 27. Januar 1945 hatten nämlich Soldaten der Roten Armee die letzten Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Der Tag will aber nicht nur an die rund sechs Millionen Juden, sondern an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern: neben Juden auch an Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.

In diesem Jahr jährt sich am heutigen 27. Januar zum 65. Mal der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau. Das KZ wurde zum Symbol für den Völkermord und die Millionen Opfer des Nazi-Regimes: fast fünf Jahre lang waren dort Menschen gefoltert, gequält, ermordet worden; Juden vor allem, Polen, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene und Häftlinge anderer Nationalität. Es war das größte deutsche Vernichtungslager; 1941 drei Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz I gebaut, wurden allein dort 1,1 Millionen Menschen ermordet. Etwa 900.000 der Deportierten wurden direkt nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet oder erschossen. Weitere 200.000 Menschen wurden von der SS durch Krankheit, Unterernährung, Misshandlungen, medizinische Versuche oder die spätere Vergasung ermordet. Berüchtigt war/wurde Auschwitz auch durch die entsetzlichen Todesmärsche: im Januar 1945 wurden etwa 60.000 Häftlinge in langen Kolonnen gen Westen getrieben. In den Lagern und Außenstellen blieben etwa 7500 Häftlinge zurück, die zu schwach oder zu krank zum Marschieren waren. Mehr als 300 wurden erschossen; man nimmt an, dass eine geplante Vernichtungsaktion nur durch das rasche Vorrücken der Roten Armee verhindert wurde. Zuerst wurde das Hauptlager Monowitz am Vormittag des 27. Januar 1945 durch die sowjetischen Truppen befreit. Von den dort zurückgelassenen Gefangenen (etwa 600 bis 800) starben trotz medizinischer Hilfe 200 in den Folgetagen an Entkräftung. Stammlager und Auschwitz-Birkenau wurden am frühen Nachmittag des 27. Januar befreit: in Birkenau waren fast 5.800 entkräftete und kranke Häftlinge, darunter fast 4.000 Frauen, unversorgt zurück geblieben. In den desinfizierten Baracken wurden Feldlazarette eingerichtet, in denen die an Unterernährung und Infektionen leidenden und traumatisierten Häftlinge versorgt wurden. Einige Tage später wurde die Weltöffentlichkeit über die Gräueltaten informiert. Die Ermittler fanden über eine Million Kleider, ca. 45.000 Paar Schuhe und sieben Tonnen Menschenhaar, die von den KZ-Wächtern zurückgelassen wurden. (Quelle: Wiki)

„Holocaust“ kommt übrigens ursprünglich vom griechischen olokautev, was „ein Brandopfer darbringen“ bedeutet und die englische Bezeichnung für den Massenmord in den Verbrennungsöfen der Konzentrationslager im Dritten Reich ist. Die jüdische Bezeichnung bedeutet „Tag der Schoah“ kommt vom neuhebräisch Begriff Shoah, der die Tötung einer grossen Zahl von Menschen oder eines ganzen Volkes bezeichnet und sich insbesondere als Begriff für die Verfolgung, Gettoisierung und Vernichtung der europäischen Juden während der NS-Herrschaft in Deutschland und Europa eingebürgert hat. 

Bei der heutigen Gedenkstunde im Bundestag hat der israelische Präsident Schimon Peres die Hauptrede gehalten. Der 85-jährige Friedensnobelpreisträger hat dazu aufgerufen, noch lebende Nazi-Täter nicht straflos entkommen zu lassen. Er ist der dritte israelische Präsident nach Ezer Weizman 1996 und Mosche Katzav 2005, der vor dem Bundestag gesprochen hat; trotzdem ist die Rede eines israelischen Präsidenten vor dem Deutschen Bundestag beileibe immer noch keine Selbstverständlichkeit…

Inzwischen haben übrigens auch andere Länder den 27. Januar als Gedenktag eingerichtet: in Großbritannien wurde im Jahr 2000 der 27. Januar zum Holocaust-Gedenktag und zugleich zum Gedenktag für alle Genozide (Völkermorde) in der Welt erklärt. Die UNO hat im Oktober 2005 den 27. Januar ebenfalls offiziell zum Holocaust-Gedenktag erklärt und eine Resolution angenommen, in der alle Mitgliedstaaten aufgerufen werden, an diesem Tag an den Judenmord zu erinnern.

Der Jom haShoah wird in Israel am 27. Nisan (der 27. Nisan des jüdischen Kalenders fällt 2010 auf den 11. April) begangen, indem um 10 Uhr eine Sirene die Menschen zwei Mi­nu­ten lang zum Inne­hal­ten aufruft; in dieser Zeit ruht der Verkehr, wird nicht gearbeitet, schweigend verharren die Menschen in Israel. Dann folgt eine Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem in Anwesenheit der Regierungs- und Staatsspitzen. Um die Mittagszeit wird eine Namensliste von Schoa-Opfern verlesen, am Nachmittag gibt es eine Zeremonie für jüdische Jugendorganisationen. Die meisten dieser Programmpunkte werden live im israelischen Fernsehen übertragen und so den Bürgern nahegebracht. 
 


Blog-Kategorien

So, nun werde ich die einzelnen Kategorien mal vorstellen. Insgesamt gibt es bei mir 11 Kategorien:

– Allgemeines für Einträge aller Art
– Blogroll für Links
– Esoterisches für alles rund um Tarot, Aura-Soma, Lenormand, Astrologie etc.
– Fotografisches für alles rund um Fotografie und Fotos
– Historisches für alles Alte
– Hörenswertes für Hörbücher
– Kreatives für alles rund ums Schreiben, Kalligraphie, Handarbeiten, Malen, usw.
– Lesenswertes für alles rund um Bücher
– Menschliches für alles rund um meine Enkelin Lena, Freunde und Familie
– Musisches für alles rund um Gitarre spielen, Singen, Musik (machen)
– Sportliches für alles rund um Sport – (FC Bayern München, DEG Metro Stars)
– Tierisches für alles rund um meine Viecher – und für Lahti’s Kolumne

Dann noch Sonderseiten:

  • Impressum
  • Wunschliste (Bücher etc, die ich mir wünsche)

Wenn mir noch was einfällt, wird aufgestockt.. 😉