Kategorie: Hörenswertes

Halloween-Rock-Party mit „RoXXz“ im „Borussen Eck“

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La Paloma

Jeder kennt das Lied „La Paloma“ – die Älteren wahrscheinlich in der Version von Hans Albers im Streifen „Große Freiheit Nr. 7„. Unter dem Titel „La Paloma. Sehnsucht. Weltweit“ habe ich vor ein paar Tagen zu mitternächtlicher Stunde eine sehr interessante Doku zu dem Lied gesehen.
Demnach wurde „La Paloma“ als kubanische Habanera von dem Basken Sebastián Iradier komponiert. Wie so oft erinnert sich an den Komponisten kaum noch jemand – wohl aber an sein Lied. Es wird nahezu überall auf der Welt gespielt, aber immer mit verschiedenen Texten und vor allem auch zu verschiedenen Anlässen: im Banat (Rumänien) erklingt es bei Beerdigungen und soll die Angehörigen trösten. Im Baskenland ist es ein Liebeslied. Im KZ Theresienstadt musste es ständig von der Big Band „Ghetto Swingers“ (welch ein Name!!!) gespielt werden – weil es sich diejenigen, die gerade bei den Selektionen für die Gaskammer aussortiert worden waren, immer wieder wünschten. In Sansibar wird es nach wie vor bei Hochzeiten gespielt, in Mexiko hat es einen revolutionären Hintergrund (dort sangen es die Anhänger von Präsident Benito Juarez als Protest gegen den von Napoleon III. eingesetzten sog. Kaiser von Mexiko, Maximilian I.)
Nicht nur Hans Albers (dessen leicht „angesäuselte“ Version übrigens damals von Joseph Goebbels verboten wurde) oder Freddy Quinn haben das Lied berühmt gemacht, u.a. wurde es auch in einer Version von Elvis Presley veröffentlicht, der es 1961 in dem Film „Blue Hawaii“ sang.

In der „Doku La Paloma. Sehnsucht. Weltweit“ wird u.a. ein Sammler vorgestellt, der über 860 Versionen des Liedes als Schallplatte etc. hat – da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mehr einschl. Ausschnitte, Interviews etc. gibt es hier auf der offiziellen Website.


Konzert des Jahres: „Take That“ und Robbie Williams

Da wir lange nicht mehr richtig was unternommen haben, schon gar nicht hinsichtlich eines Konzert-Besuchs o.ä., haben wir uns neulich spontan zwei Karten für das Konzert von „Take That“ und Robbie Williams in Düsseldorf gesichert. Und uns vorgenommen, den Tag richtig zu genießen: vorher gehen wir im Café Heinemann nett was essen und fahren dann schon gegen 16.30 Uhr Richtung espritArena, um keinen Parkplatz-Stress zu haben.
Was auch gut ist: wir schaffen es gerade so, bevor der große Schwung der Besucher eintrifft…

Vor der Halle mache ich erst mal große Augen: was da an Trucks vor der Halle steht, ist unglaublich! Fast 40 Stück – naja, eine Tour, die 56 Millionen gekostet hat, muss so einiges an Equipment mitschleppen. Zur Feier des Tages gönne ich mir einen Caipirinha, den eifrige fleißige Helfer von den Cocktail-Ständen aus durch die Menge schleppen. Lecker! Zwischendurch geht der Blick immer wieder besorgt zum Himmel: wird es trocken bleiben? Ich habe keine Lust, im Regen zu sitzen wie die armen Leute beim Konzert in Hamburg – dort spielte die Band bei widrigen Wetterverhältnissen unbeirrt durch. Leider ist das Dach der espritArena auf Wunsch von „Take That“ auch in Düsseldorf offen. Ob das gut geht? Nein, geht es nicht: pünktlich um 17.30 Uhr öffnet der Himmel seine Schleusen, und ich bedaure die armen Mädels, die in ihren dünnen T-Shirts schon im Innenraum stehen und gut nass werden.
Überhaupt – die Mädels! Der Frauenanteil unter den Zuschauern ist erwartungsgemäß hoch. Wie die Band auch sind die Mädels im gereiften Alter; viele seit den 90ern treue Fans. Aus den kreischenden Teenies von damals sind aufgeregte Mütter geworden, die sich mit ihren Freundinnen für diesen Abend verabredet oder ihre Töchter im Schlepptau haben; inzwischen ebenfalls mit dem TT-Virus infiziert – überall hört man aufgeregtes Geraune und Gequieke à là „Robbie-Robbie-ich-bin-so-aufgeregt“. Naja, für Fans verständlich: es dürfte fraglich sein, ob die Band und Robbie je noch einmal zusammen auf Tour gehen…

In der Arena angekommen, sind wir überrascht: tolle Plätze, genau in der Mitte, klasse Blick auf beide Bühnen – und das Dach ist nun doch geschlossen!!! An der regennassen mittigen Bühne sieht man, warum… Uns ist’s recht, wir haben es gemütlich. Mit zehn Minuten Verspätung beginnen um 19.10 Uhr die openers, die „Pet Shop Boys„. Synthie-Pop vom Feinsten, und ich werde ganz nostalgisch bei den Hits aus den 90ern. Lustig sind auch deren Tänzer: bunte hautenge Anzüge, die Köpfe in dicken Schaumstoff-Würfeln steckend.  Sänger Neil Tennant  erinnert mit West End Girls an die verstorbene Amy Winehouse. Etwa eine Dreiviertstunde spielen sie, dann ist noch mal eine längere Pause, bis 20.30 Uhr. Und das Publikum wird langsam ungeduldig…

Aber dann sind sie da, alles kreischt wie verrückt, wir schauen uns grinsend an, finden alles etwas gaga, genießen aber die Atmosphäre. Übrigens ein dickes Lob an die Techniker und Musiker: eine tolle Abmischung und klasse Sound, der Bass wummerte einem wie Herzschlag in der Brust, die Songs erreichen jeden Winkel der Halle. Und die Show ist ein Traum! Kein Wunder, „Take That“ haben als Kreativdirektorin Kim Gavin verpflichtet, die auch die Abschlußfeier von Olympia 2012 in London gestalten wird. Ganz tolles Bühnenbild, und dazu klasse Tänzer, das 24-köpfige Ballett  ist vom Feinsten. Schöne Ideen – da tanzen auf einmal Schmetterlinge, Feen und eine dicke Raupe (auf der man sogar reiten kann!) über die Bühne, weiß gekleidete Gestalten wirbeln rote Lampen herum, die als rote Lichter über den Steg zwischen beiden Bühnen kreiseln, Fackeln leuchten, dicke Trommeln werden geschlagen, ein goldener Funkenregen sprüht über die Bühne – uff! Na, und dann erst der Om, der riesige Roboter, der über der Bühne schwebt und einen aus roten Augen anfunkelt! Noch besser ist aber seine Frau, die im dritten Teil der Show auftaucht und erst kniet, dann durch die Zuschauer bis zur kleinen Bühne gefahren wird und sich schließlich aufrichtet, bis sie gut 20 Meter groß ist – Sternchen flimmern über sie, sie breitet ihre Arme aus, als wolle sie jeden in den Arm nehmen… eine supergeniale Bühnen-Show!!!

Im ersten Teil „Take That“ allein, die vier Jungs singen einige ihrer Titel, die in der Zeit ohne Robbie Williams entstanden. Dann steigt der Kreisch-Faktor in unglaubliche Höhen: zu den Klängen von Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band entert Robbie die Bühne – die Leute flippen aus. Gleich sein erster Song ist der Beste: Let me entertain you – Robbie brüllt, schwitzt, schreit, tanzt, fegt über die Bühne, sein Lieblingsword ist immer noch „f…“, seine Gesten gleiten nur zu gerne immer wieder mal ins Obszöne ab – oh ja, er ist immer noch der „Bad Boy“. Und er genießt es. Spielt mit seinem Image, weiß, ER ist immer noch der Star des Ganzen, lässt sich per Kran über die Köpfe der Fans fahren, schüttelt grinsend Hände. Sollte man vielleicht sagen: Konzert von Robbie Williams und Band??? Aber der „Bad Boy“ kann auch anders, widmet Angel der verstorbenen Amy Winehouse, den Menschen in Oslo, die jemanden bei der Tragödie verloren haben, überhaupt allen, die gerade ein bißchen Trost und Hoffnung und Liebe brauchen.

Der dritten Teil beginnt spektakulär: Spidermen erklimmen die riesige Bühnenwand, klettern rauf und runter, stürzen sich schließlich gar in einen echten Wasserfall. Jetzt sind Band und Robbie zusammen on stage. Aber erst mal müssen sie hinkommen; schließlich stehen sie oben auf einer Empore. Und auch hier wieder eine Extra-Tour von Robbie, der sich kopfüber abseilen lässt… Nach neueren Stücken gibts eine ruhigere Pause mit a capella-Stücken, und dann kommen die ganzen alten Sachen. Das wollen die Leute hören, sind textsicher, alles wird mitgesungen und frenetisch bejubelt. Ein würdiges Finale; die Fünf wissen, was ihre Fans hören wollen. Selbst mir als „Nicht-TT-Fan“ gefällt das.

Fazit: für 2 Stunden und 20 Minuten ist man völlig weg, guckt fasziniert auf die Bühne, lässt sich von Musik und Licht verzaubern und taucht danach wie betäubt aus einer anderen Welt wieder auf. Und genau das ist es doch, was Musik erreichen soll, oder? Ich finde: wegen der Bühnenshow und wegen Robbie eines der besten Konzerte meines Lebens – auch MIT „Take That“…   😉  ! ♥♥♥♥♥♥

(Wer einen kleinen Eindruck vom Konzert haben will: hier gibts ein kleines Video vom Finale – leider nur in Handy-Qualität, aber „professionelle“ Kameras wie DSLR’s waren in der Halle leider verboten…)


Mal ein Lob für Audible

Ich bin seit Jahren Audible-Kundin, habe da ein supergünstiges Abo, lade mir zwei Hörbücher im Monat und bin damit total glücklich und zufrieden. Es gibt ja viele Leutchen, die über die Sperren der geschützten Dateien meckern (etwas, womit ich auch nicht ganz glücklich bin), und dass man ein einmal gebranntes Hörbuch nicht noch einmal brennen kann, finde ich auch nicht so klasse.
Nun hatten Lena und ich gerade das große Malheur, dass uns zwei CD’s von der Kommode geplumpst sind: „Rolfs bunter Adventskalender“ und „Lars Eisbär in der Walbucht“. Lars Eisbär hatte ich mir bei Audible geladen, und erneutes Brennen ging halt nicht. Hm, was tun? Also heute mal bei der Hotline von Audible angerufen und nachgefragt. Kein Problem, meinte die freundliche Dame, ich solle einfach das schon mal geladene Buch komplett löschen, und sie schickte mir das Hörbuch umgehend neu in die Bibliothek.
Lena ist glücklich; sie kann heute Abend mit Lars Eisbär einschlafen. Und Immi ist auch zufrieden. Guter Service!


Hörbucher Update

Bei den zuletzt vorgestellten Hörbüchern habe ich erste Rezensionen und, wo vorhanden, Hörproben eingefügt!


Lauschangriff: neue Hörbücher

Es herbstet, und wenn die langen, dunklen Tage/Abende kommen, hat frau genug Zeit und Muße für Hörbücher. Ich möchte hier mal fünf Hörbücher vorstellen, die im Hörbücher-Magazin teilweise gute Kritikien bekommen haben und mich deswegen bzw. aufgrund ihres Inhalts interessieren. Rezensionen folgen, wenn ich alles durchgehört habe; ansonsten im Vorspann die allgemeinen Vorstellungen der Inhalte:

Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers von Jessica Grant
Regel Nr. 1 für Schildkrötenbesitzer: Halte eine Schildkröte niemals für tot. Audrey Flowers vertritt diese optimistische Haltung nicht nur im Blick auf ihre Schildkröte Winnifred. Als Audreys Vater bei einem Unfall schwer verletzt wird, will die junge Frau nicht glauben, dass er tatsächlich sterben könnte. Doch schließlich muss sie nicht nur seinen Tod verarbeiten, sondern auch einige Geheimnisse aufdecken, die er ihr hinterlassen hat. Sie findet heraus, was Toff, den Mann aus Cambridge, mit ihrer Familie verbindet. Und warum Onkel Thoby seit ihrer Kindheit bei ihnen lebt. Außerdem lernt sie einen Experten für Weihnachtsbeleuchtungen kennen, der sich schon bald rührend um sie kümmert. Wie Audrey sieht auch er die Welt als zauberhaften Ort – und das ist sie tatsächlich: Schildkröten lesen Shakespeare. Piloten küssen ihre Copiloten. Und man könnte womöglich ewig leben, sofern man die üblichen Gefahren meidet: rasende Christbäume; fehlerhafte Lichterketten; Klippen, wenn man einsam ist, und Treppen, wenn man müde ist.
Ich gebe es zu: ich habe dieses Hörbuch nicht zu Ende gehört. Nein, dazu ist es mir einfach zu langweilig… Audrey, genannt Oddle, ist eine eigenartige junge Frau, die irgendwie nicht die Allerhellste zu sein scheint. Und trotzdem (oder gerade deswegen?) sehr philosophisch rüber kommt. Die Geschichte plätschert so dahin, in sanften, leisen Tönen, und irgendwann habe ich beim Hören abgeschaltet. Leider. Leider? Die Story hat nämlich durchaus Potential, Schildkröte Winnifred ist einfach entzückend, und die beiden Thalbachs als Sprecherinnen klasse. Wahrscheinlich ist aber das Kürzen des Buches daneben gegangen – wo sind die angeblich so humorvollen Passagen geblieben? Dieses Buch gehört anscheinend zu denen, die man besser hätte lesen anstatt hören sollen. Wegen der Schildkröte und der tollen Sprecher-Leistung gibts trotzdem noch ein „Befriedigend“, also ***.
Hörprobe

Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers von Jessica Grant; Sprecher: Anna und Katharina Thalbach; Verlag: Random House
Audio; ISBN: 3837103498; Preis: 19.95;
Audible: 13,95***
 

Das Leben kleben von Marina Lewycka

Georgie Sinclair steht vor einem Scherbenhaufen: Die Ehe mit ihrem Mann geht in die Brüche, ihr halbwüchsiger Sohn ist fasziniert von Weltuntergangs-Websites, und ihren Job bei der Fachzeitschrift „Klebstoff“ findet sie auch nur bedingt interessant. Da trifft sie plötzlich Mrs. Shapiro, und die verschrobene 80-Jährige – oder ist sie doch schon 96 Jahre alt? – samt ihrer sieben Katzen bringt Georgies Leben gehörig durcheinander. Denn zuallererst, so sagt sie, braucht Georgie einen neuen Mann, und Mrs. Shapiro streckt gekonnt ihre erfahrenen Fühler aus. So lernt Georgie plötzlich geldgierige Sozialarbeiterinnen, untalentierte Handwerker, Weltuntergangstheorien, Palästinenser und zwielichtige Immobilienmakler kennen – und Artie, Mrs. Shapiros Verblichenen …

Ich habe an diesem Hörbuch geklebt (und überlege nun, mir das gedruckte Buch auch noch anzuschaffen). Musste ich eine Pause machen, konnte ich es kaum erwarten, wie es weiter geht… Wie alt ist denn nun Naomi Shapiro? Werden Georgie und sie es schaffen, sich gegen die gemeine Sozialarbeiterin durchzusetzen? Kann Mrs. Shapiro ihr Haus behalten? Und, am allerwichtigsten: WER ist diese Mrs. Shapiro denn nun eigentlich WIRKLICH? Die Handlungsstränge sind vielfältig: Judenverfolgung im Dritten Reich, israelisch-palästinensischer Konflikt, respektvoller Umgang mit Senioren. Trotzdem gelingt es der Autorin (so gerade noch), alle Fäden in den Händen zu behalten und miteinander zu verweben. Wunderbar wieder Katharina Thalbach, die es souverän schafft, den Figuren „Leben pur“ einzuhauchen: herrlich das jüdisch akzentuierte Gekrächze von Mrs. Shapiro! Und so bildhaft gesprochen, dass mir richtig übel wurde beim Vorstellen von Mrs. Shapiros unvorstellbar verdreckter Küche… Dieses Hörbuch hat alles, was ich von einem Hörbuch erwarte: Spannung, Humor, Nachdenkliches, Trauriges; eine tolle Story, eine tolle Sprecherin.  Ein Highlight in meiner Hörbuch-Sammlung, daher *****.
Hörprobe

Das Leben kleben von Marina Lewycka; Sprecher: Katharina Thalbach; Verlag: Dhv der Hörverlag; ISBN: 3867175217; Preis: 19,95;
Audible: 13,95*****

Die Enden der Welt von Roger Willemsen

Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. Manchmal waren es die großen geographischen: das Kap von Südafrika, Patagonien, der Himalaja, die Südseeinseln von Tonga, der Nordpol. Manchmal waren es aber auch ganz einzigartige, individuelle Endpunkte: eine Bahnstation in Birma, ein Bett in Minsk, ein Fresko des Jüngsten Gerichts in Orvieto, eine Behörde im kriegszerrütteten Kongo. Immer aber geht es in diesen grandiosen literarischen Reisebildern auch um ein Enden in anderem Sinn: um ein Ende der Liebe und des Begehrens, der Illusionen, der Ordnung und Verständigung. Um das Ende des Lebens – und um den Neubeginn. „Heute waren die Wolken eine Sehenswürdigkeit, nicht geringer als die Berge. Von ihrem Anblick ruhte ich mich aus, bis ich hungrig wurde. Da war es vier Uhr früh, alles schlief, und ich tappte durch die Gänge. Um halb sieben Uhr fiel mir eine Frau aus dem Aufzug entgegen, betäubt von Insektenspray. Ich hielt sie kurz im Arm. Glücklich fühlten wir uns beide nur, weil der Insektenspray so stark war. ‚In dieser Gegend , sagte sie, ‚entwickeln sich alle Dinge dramatisch.“
Hörprobe

Die Enden der Welt von Roger Willemsen; Sprecher: Roger Willemsen; Verlag: Roof Music; ISBN: 3941168428; Preis: 24,95;
Audible: 17,95 

Frau Ella von Florian Beckerhoff

Der dreißigjährige Sascha ist wenig begeistert, als er nach einer Augen-OP kurzfristig sein Krankenzimmer mit einer schnarchenden Oma teilen muss: Frau Ella. Als die aber gegen ihren Willen operiert werden soll, bringt Sascha sie bei Nacht und Nebel in seiner Wohnung unter. Saschas Freunde Klaus und Ute sind von dessen neuer Mitbewohnerin begeistert: Total schräg, so eine WG! Tatsächlich wird der lethargische Sascha die lebendige, aber einsame Frau Ella so schnell nicht wieder los. Klaus und Sascha nehmen sich der alten Dame an, kleiden sie neu ein, führen sie zum Essen aus und machen Ausflüge in die Sommerfrische. Alles läuft bestens – bis Saschas Freundin Lina braungebrannt aus Spanien zurückkehrt.
Hörprobe

Frau Ella von Florian Beckerhoff; Sprecher: Peter Jordan; Verlag: Hörbuch Hamburg; ISBN: 3899036913; Preis: 19,95; Audible: 13,95

Noch auf meiner Wunschliste steht

Kaiserhofstraße 12 von Valentin Senger

Als der Vater von Valentin Senger 1911 in die Kaiserhofstraße 12 in Frankfurt zog, hoffte er, dass seine Odyssee am Ende war: In Russland vor der zaristischen Geheimpolizei geflüchtet, hatte sich der Kommunist mit gefälschten Pässen über die Schweiz in das liberale Frankfurt abgesetzt. Hier wuchsen auch Valentin Senger und seine beiden Geschwister auf. Als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, war die Familie wegen ihres kommunistischen Engagements und ihrer jüdischen Herkunft doppelt gefährdet. Und dann geschah das große Wunder: Mit Hilfe von zahllosen Freunden, Nachbarn und Helfern, mit mutigen Behördenmitarbeitern und einer großen Portion Glück überlebten sie die Nazis unentdeckt in ihrer Wohnung in der Kaiserhofstraße 12.

Kaiserhofstraße 12 von Valentin Senger; Sprecher: Walter Renneisen; Verlag: Eichborn; ISBN: 3821863323; Preis: 19,95


Tolles Konzert: PUR auf Schalke 2010

Nach all dem Theater und Pendeln zwischen Altenheimen und Friedhöfen waren wir am WE endlich mal wieder RICHTIG weg! Draußen! Raus! Party! Oder so… Und zwar auf dem Abschlußkonzert der Open-Air-Tournee 2010 von „PUR“ Auf Schalke. Jaja, ich weiß: bei PUR scheiden sich die Geister – entweder man hasst die Band oder man liebt sie! Ich liebe sie, ich bekenne mich schuldig, ja-woll. Ich mag die Texte, ich mag die Musik. Und wer nun verächtlich was von „Schnulzen“ murmelt, der soll sich bitteschön mal die Texte von Rihanna, LadyGaga oder Hurts (oder wer auch immer sich da gerade sonst noch in den Charts tummelt) ins Deutsche übersetzen, das ist auch nischt anderes!!! Ich würde sogar sagen, PUR sind da klar im Vorteil, weil sie viel BESSERE Texte haben…
Jedenfalls hatten mein GöGa und ich endlich mal wieder richtig Spaß. Das Konzert war toll; die Events Auf Schalke sind vor allem auch deswegen so klasse, weil PUR sich
dazu immer einige Gäste einladen. Dieses Jahr war es neben DJ Ötzi (naja!) und OPUS (nuja!) der Sänger von SUPERTRAMP, Roger Hodgson. Er sang ein Medley der größten SUPERTRAMP-Hits, „School, Dreamer Logical Song, It’s raining again“ u.a. – und es war einfach nur toll toll toll! Der GöGa und ich hüpften wie bekloppt auf und ab, aber alles um uns herum auch! Auf Juhtjuhp gibts auch schon ein paar hochgeladene Videos; Qualität ist zwar nicht so dolle, und die Stimmung kommt auch nicht so ganz rüber, aber um einen Eindruck zu kriegen, reichts (als Suchbegriff einfach mal „pur auf schalke 2010“ eingeben, oder hier oder hier gucken). Besonders schön und sehr sympathisch: das englisch-deutsche Duett „Prinzessin“ von Hodgson und PUR-Sänger Hartmut Engler, für das Hodgson extra einige Sätze auf Deutsch eingeübt hatte!
Der älteste Sohn meines Gatten war übrigens auch mit; es war sein erstes PUR-Konzert, und auch ihm hat’s gefallen. Das ist ja das Spannende bei der Truppe: in den Konzerten hören Leutchen zwischen 12 und 72 oder so zu….
Heimliche Stars des Abends waren aber die Oldies vom Seniorenchor „Rock statt Rente„. Das ist eine Doku-Soap von SAT1, in der 25 Senioren und Seniorinnen zwischen 72 und 95 eine Rockband gründen; als Höhepunkt des Ganzen winkte der Auftritt beim PUR-Konzert. Nun habe ich mir keine Folge dieser Doku-Soap angetan, zumal man in den Gazetten lesen konnte, dass das Vorbild der englischen Truppe The Zimmers (wurden über „My Generation“ auf Juhtjuhp bekannt) in keinster Weise erreicht wird und das Ganze doch einen eher schalen Beigeschmack hinterlässt. Weil nämlich die deutschen Oldies angeblich kaum Ahnung vom Englischen haben und ihnen das Gesungene kaum etwas sagt…
Auf Schalke war davon jedenfalls nichts zu spüren! Ganz im Gegenteil: bei „Highway to hell“ (gibts natürlich auch schon auf Juhtjuhp zu sehen) tobte die Menge, und vor allem die Sängerin war spitze. Ich hoffe jedenfalls, den Oldies hat das Ganze genauso viel Spaß gemacht wie uns!
Übrigens ist das Konzert fürs Fernsehen aufgezeichnet worden (am Eingang stand zumindest was von TV-Aufnahmen), und eine DVD wird ebenfalls veröffentlicht. Ich gebe dann Laut, wenn es so weit ist…


Lauschangriff: Hörbücher

Hörbücher sind prima, wenn man wie ich oft öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Gerade abgehört habe ich etwas ziemlich
kurioses: „Die Schimauski-Methode“ von Walter Moers. Es unterhalten sich zwei Mäuse, genauer gesagt
interviewt Lydia Lindmaus den leicht zerstreuten Titelhelden, Professor Dr. Schimauski. Sie befragt ihn nach seinen
genialen Entdeckungen, und er berichtet ausführlich, was im Kühlschrank passiert, wenn das Licht ausgeht, warum
sein Toast auf einmal verbrannt aus dem Toaster kommt (der den Toaster bewohnende Drache ist krank!), warum
Nervensägen für Zahnschmerzen verantwortlich sind und derlei absurde Dinge mehr. Lydia Lindmaus wird von
Ilona Schulz gesprochen; ihre Stimme paßt wunderbar zu der neugierig-piepsigen Mäusedame und erinnerte mich zeitweilig an die legendäre Berliner Schauspielerin Edith Hancke. Und auch Robert Missler nimmt man den fahrigen Professor gerne ab.
Fazit: Man muß den schrägen Humor von Käpt’n Blaubärs Schöpfer mögen. Was ich normalerweise auch tue. Walter Moers hat hier zwar erneut unglaublich viel Phantasie bewiesen, indem er Dinge in Zusammenhänge stellt, auf die man nie gekommen wäre, und das hat mich auch schmunzeln lassen, aber irgendwie riß mich dieses Hörbuch nicht wirklich vom Hocker, dafür fand ich es doch zu klamaukig. Für eine nette, humorvolle Stunde in der Bahn dennoch gut geeignet! Und diese Mutmach-Marmelade hätt‘ ich auch ganz gerne…
Hörprobe

Aus einem ganz anderen Genre, nämlich dem des Krimis, kommt das Hörbuch, welches ich gerade höre: „Kalteis
von Andrea Maria Schenkel. Als gedruckte Ausgabe 2007 ein absoluter Bestseller, fand ich nun im Hörbuch-
Magazin „hörBücher“ eine überschwengliche Rezension, die das Hörbuch zu einem „absoluten Muss“ erklärte und
mich neugierig machte – vor allem, weil die von mir sehr geschätzte Monica Bleibtreu als Sprecherin fungiert. Los
geht es im Hörbuch gleich mit der Auflösung des Plots, nämlich der Hinrichtung des Mörders Josef Kalteis. Kalteis
ist übrigens einer Person aus den 30ern nachempfunden: damals terrorisierte jemand namens Johann Eichhorn
München und Umgebung, vergewaltigte an die 90 Frauen und ermordete fünf von ihnen. Erst 1939 konnte er gefaßt werden. Eines seiner Opfer war damals die 16jährige Maurerstochter Katharina Schätzl, die vom Land nach München gekommen war, um dort Arbeit zu finden und „ihr Glück zu machen“. Sie stand augenscheinlich Patin für Schenkels Romanfigur Kathie. Weiter geht es dann in Rückblicken: die Rahmenhandlung in „Kalteis“ bilden Prozessakten, Zeugenaussagen und die Aussagen des Mörders, eingestreut wird Kathies Geschichte.
Fazit: An sich keine schlechte Idee, mir fehlt aber der Fluß bei diesem Hörbuch. Zugegeben, Monica Bleibtreu liest klasse; es ist einfach unglaublich, wie variabel ihre Stimme ist und wie sie selbst aus dem doch ziemlich nervtötenden Möchtegern-Bayrisch, in dem die Geschichte erzählt wird, noch etwas Hörenswertes macht. Der Dialekt stört nach einiger Zeit aber, das Hin- und Her in der Handlung auch, Spannung kommt nicht auf (jedenfalls bei mir nicht). Eigentlich bin ich kein Krimi-Fan… und fest steht, dass ich auch nach „Kalteis“ keiner werde! Die Geschichte fand ich langweilig umgesetzt – die zwei Sterne verdient sich einzig und allein die unvergessene Monica Bleibtreu für ihre wirklich tolle Sprecher-Leistung.
Hörprobe

– „Die Schimauski-Methode“ von Walter Moers; Verlag: hörcompany; ISBN: 3939375829; Dauer: 58:58; Preis: 9,95 Euro; Wertung: ***
– „
Kalteis“ von Andrea M. Schenkel; Verlag: Hörbuch Hamburg; ISBN: 3899038150; Dauer: 5:17:35; Preis: 12,95 Euro: Wertung: **


100. Geburtstag vom „Märchenonkel“ Hans Paetsch

Die meisten Leute, die heute zwischen 30 und 45 oder 50 Jahre alt sind, dürften als Kind mal eine Märchenplatte gehört haben. Und sich bis heute daran erinnern, wie es war, wenn einem beim Lauschen dieser einen, ganz besonderen, tiefen Stimme ein wohliger Schauer über den Rücken lief… Diese Stimme gehörte Hans Paetsch, und der „Märchenonkel der Nation“ wäre heute 100 Jahre alt geworden. Ich verdanke ihm einige meiner schönsten Kindheitserinnerungen, und deshalb möchte ich heute an den Star der „EUROPA“-Schallplatten erinnern. Hier gibt es eine kurze Vita, hier sind seine Sprecherrollen aufgelistet, und hier gibt es eine Hörprobe: Hans Paetsch liest eines meiner absoluten Lieblingsmärchen, „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern„.


Das Mittelalter rockt

   Mein Göttergatte (genannt GöGa) und ich waren gestern in Wassenberg auf dem „Mittelalterlichen
   Spectaculum“. Leider ziemlich unklug angelegt; der ganze Markt befand sich auf langgezogenem,
   hubbeligem Gelände und verlief sich ziemlich. Für mich mit meinem Humpel-Fuß und Krücken
   schwierig, aber ich habe mich heldenhaft durch die Botanik geschlagen! Übrigens fielen wir dort
   ganz schön auf, weil wir keine schwarze Klamotten anhatten und auch nicht mit Ketten behängt
   waren… 😉
   Der Markt selber gefiel uns auch nicht sehr; zu viel war einfach auf die Schwarzgekleideten
   ausgelegt. Was uns aber sehr gut gefallen hat, war ein kleines Konzert der Mittelalter-Rockband
   „Saltatio Mortis„! Witzige Typen, interessante Musik mit phantasievoll verzierten Dudelsäcken
   und Schalmeien – doch, das hat Laune gemacht!