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Benjamin Blümchen und Vampir-Romane
22.4.2010 von Baghiera.
Nachdem wir nun vorgestern erneut zu einer Beerdigung fahren mußten, bin ich derzeit für ein wenig Ablenkung ganz
dankbar. Zum Glück trudelt morgen wieder Lena für drei Tage ein, und zum Glück ist ja auch wunderschönes
Frühlingswetter angesagt - mal sehen, was man da so anstellen kann. Mein GöGa plädiert ja dafür, in den
Centro Park nach Oberhausen zu fahren. Das ist ein Freizeitpark für kleinere Kinder, der dieses Jahr wohl in seine
letzte Saison geht. Also werden wir da wohl mal Benjamin Blümchen und Co. besuchen gehen, und meine Kamera
wird sich bestimmt auch über neue Motive freuen.
Ansonsten lese ich derzeit gerne, und da mir nach den familiären Aufregungen der letzten Zeit nicht so ganz der Sinn
nach anspruchsvoller Lektüre stand, habe ich doch tatsächlich eine sehr erfolgreiche Serie von sogenannten Vampir-
Romanen in Angriff genommen, die sich auf rätselhafte Art und Weise in meinem Bücherregal breit gemacht hat. Es
handelt sich um die “Dark Ones“-Serie von Katie MacAlister und beinhaltet sechs Bände mit so sinnigen Titeln wie
- Blind Date mit einem Vampir, Seiten: 474; Verlag: Lyx; ISBN: 3802581385; Preis: 9,95 Euro; Wertung: *
- Kein Vampir für eine Nacht, Seiten: 400; Verlag: Lyx; ISBN: 3802581393; Preis: 9,95 Euro; Wertung: ***
- Küsst du noch oder beißt du schon?, Seiten: 400; Verlag: Lyx; ISBN: 3802581407; Preis: 9,95 Euro; Wertung: **
- Vampir im Schottenrock, Seiten: 400; Verlag: Lyx; ISBN: 3802581768; Preis: 9,95 Euro; Wertung: **
- Vampire sind zum Küssen da, Seiten: 351; Verlag: Lyx; ISBN: 3802582098; Preis: 9,95 Euro; Wertung: *
- Ein Vampir kommt selten allein, Seiten: 346; Verlag: Lyx; ISBN: 3802582276; Preis: 9,95 Euro; Wertung: *
- Vampire lieben gefährlich, Seiten: 345; Verlag: Lyx; ISBN: 3802583167; Preis: 9,95 Euro; Wertung: *
Okay, ich weiß ja, dass diese Bücher wirklich viele Fans haben (vor allem weibliche), aber ehrlich gesagt ist mir ein Rätsel, warum - so einen Sch… rott habe ich selten gelesen! Die Heldinnen sind allesamt Amerikanerinnen und zeichnen sich durch einen ununterbrochenen Redefluß aus. Außerdem denken sie andauernd nur an das Eine, nämlich an Sex. Keine Ahnung, wieso - die Amerikanerin an sich soll ja eher prüde sein, aber in diesen Büchern dreht sich alles nur darum, wie frau möglichst schnell… naja. Irgendwie kann ich mir so gar nicht vorstellen, wie sich die dort dargestellten Dialoge zwischen Männlein und (amerikanischem) Weiblein in der Realität abspielen, und weil so was in der Realität tatsächlich nicht vorkommen dürfte, hat die Autorin ihre männlichen Hauptdarsteller sowie die Handlungen der Bücher auch allesamt nach Europa verfrachtet (okay, und natürlich auch, weil Vampire ja dort beheimatet sind). Ein einziges Buch hat mir einigermaßen gefallen und würde bei mir mit drei Sternen zumindest ein “Befriedigend” erreichen, und das ist Kein Vampir für eine Nacht. Allerdings auch nur, weil in diesem Buch eine Reihe von Geistern auftritt, die sich als ziemlich nervtötend erweisen und die ich doch recht witzig fand; der Rest der Bücher ist nicht der Rede wert. Anfangs lacht man ja noch über die unfreiwillig komischen Sex-Szenen, aber die sind nach einiger Zeit furchtbar nervtötend, und stirnrunzelnd blättert man schnell weiter, um wenigstens die Auflösung der “Handlung” noch mitzubekommen.
Fazit: Och nö!!! Ich werde die gesamte Serie schleunigst in der “Bucht” verscheuern und hoffen, dass sich wenigstens dort ein paar Fans dieses Genres finden…
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Buchbesprechungen
2.4.2010 von Baghiera.
“Von Ort zu Ort: eine Jugend in Pommern“ von Maria Wellershoff
Maria Wellershoff ist die Frau des bekannten Kölner Schriftstellers Dieter Wellershoff. Geboren 1922 als Maria von
Thadden, stammt sie aus einem altem ostelbischem Adelshaus in Pommern. In diesem Buch hat sie, schon hoch in
den Achtzigern stehend, ihre Jugenderinnerungen veröffentlicht. Darin dreht sich (zunächst) alles um das heimische
Schloß Trieglaff in der Nähe von Greifenberg/Pommern. Nach Erbstreitigkeiten zieht die Familie dann nach
Vahnerow um. Maria wächst mit ihren fünf Geschwistern unbeschwert und sehr behütet auf; Kontakt zu den
Dorfbewohnern gibt es höchstens mal bei einer Beerdigung, ansonsten bleiben die Geschwister von der Welt “dort
draußen” abgeschnitten. Aus erster Ehe des Vaters sind da noch mehrere, viel ältere Halbgeschwister, aber auch zu
denen gibt es kaum Kontakt. Maria Wellershoff beschreibt, wie sich aus Sicht eines Kindes die damalige Welt für eine
kleine Adelige aus Pommern darstellte: da ist das geliebte Pony, sind die Kaninchen, einen Spielplatz gibt es auch.
Im Schloß werden Literaturabende und Feste gefeiert. Reich sind die von Thadden-Kinder nicht, aber Margarine
aufs Brot streichen - nein, das ist denn doch zu schlimm, das schmeckt gruselig, das bedeutet, wirklich arm zu sein…
Die Autorin beschreibt ausführlich ihre Schulzeit in verschiedenen Gymnasien, Internaten und Stiften. Sie holt ihr Abitur nach, studiert dann Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte an mehreren, über das Deutsche Reich verteilten Universitäten. Nach dem Krieg landet sie in Göttingen, wo sie endlich ihr aufgrund der Kriegswirren unterbrochenes Studium wieder aufnehmen kann.
Das Buch hinterließ bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Ich habe lange gebraucht, um mich wirklich einzulesen; vor allem die Beschreibungen ihrer Kindheit lesen sich manchmal doch sehr “holperig”. Vieles fehlt mangels Erinnerung, bleibt zu vage. Auch als die Nazionalsozialisten an die Macht kommen, fehlen mir Hintergrundinformationen. Die Familie ist gegen die Nazis - warum genau, wird aber nur angedeutet: zu proletenhaft die Stimmen und die Führer, dann die Repressalien gegen befreundete Juden… Die wesentlich ältere Halbschwester Elisabeth wird verhaftet, wegen defätistischer Äußerungen, und schließlich sogar hingerichtet. Hier hätte ich mir ebenfalls mehr Infos gewünscht; das Thema wird nur angerissen. Immer hat man als Leser das Gefühl: “da muß doch noch mehr gewesen sein?” Sehr ausführlich werden dagegen Studienzeit und die verschiedenen Unis beschrieben. Das Kriegsende läuft bei Maria von Thadden relativ ruhig und gesittet ab; sie begibt sich mit Bruder Ado zu den Amerikanern, landet bei Verwandten in Göttingen. Was dagegen genau bei der in Pommern verbliebenen Mutter passiert ist, bleibt wieder vage und nur angedeutet.
Fazit: “Mit leichter Hand und einer wundervoll eindringlichen Sprache bringt die Autorin uns ihre Kindheit und Jugend nahe” - so steht es im Klappentext des Buches. Dem kann ich nicht ganz zustimmen; zu holperig und zu wenig fließend erschien mir vor allem am Anfang der Stil der Autorin. Mit Dauer des Buches gibt sich das zum Glück ein wenig. Und obwohl man immer wieder innerlich den Kopf schüttelt über die zeitweilige Blauäugigkeit der von Thaddens, schafft es die Autorin doch, sie einem nahe zu bringen. Gut gefallen hat mir die Beschreibung, wie eine junge Frau damals dachte, womit sie sich in der Freizeit beschäftigte etc. Obwohl auch hier die Autorin sicherlich nicht für den Durchschnitt der damaligen Bevölkerung steht, wie sie auch selber zugibt: da wird sich z.B. über die teilweise doch sehr “rüde” Sprache der anderen (bürgerlichen und weniger gebildeten) Mädel im Arbeitsdienst gewundert. Dennoch: der Einblick in die wohlbehütete Welt des pommerschen Adels gefällt. Und läßt einen staunen: war das damals bei denen wirklich so? Du liebe Güte… Wertung: ***
“Die Geheimnisse des Nicholas Flamel - Die mächtige Zauberin“ von Michael Scott
Im krassen Gegensatz zur deutschen Geschichte steht das davor gelesene Buch: Fantasy, vor allem gedacht für
Jugendliche. “Die Mächtige Zauberin” ist Teil drei der Reihe um das unsterbliche Magier-Paar Nicolas und Perenelle
Flamel (eine ausführliche Renzension der ersten beiden Teile gibt es hier). Im dritten Teil geht es furios weiter:
Nicolas und die Zwillinge landen in London. Nicolas Flamel will die Zwillinge hier in der dritten magischen Kraft, der
Wassermagie, ausbilden lassen - und zwar von Gilgamesch, dem uralten unsterblichen und wahnsinnigen(?) König.
London ist jedoch die Stadt von Flamels Gegner Dr. John Dee, und der mobilisiert alsbald seine dort wohnenden
Anhänger. Flamel und die Zwillinge schaffen es nur knapp, ihren Häschern zu entkommen. Derweil sitzt Nicolas’
Frau Perenelle immer noch auf der von Monstern verseuchten Gefängnisinsel Alcatraz fest. Ihr gelingt es aber
überraschend, sich von Seiten einer alten Feindin Hilfe zu verschaffen. Das ist auch bitter nötig, denn Dees
Verbündeter Macchiavelli ist im Anmarsch, um die Zauberin endgültig zu vernichten…
Was mich bei dem dritten Teil nach wie vor fasziniert, sind die erneut auftauchenden Figuren und Monster aus der Mythologie und die historischen Personen. Obwohl ich zugeben muß, dass es langsam doch ein wenig viel werden - man verliert allmählich den Überblick. Gut gefällt mir eine der neuen Hauptfiguren, Cernunnos, und die Wilde Jagd. Cernunnos? Hä? Wer war das noch mal? Hm… Prompt wird man als Leser wieder dazu angeregt, den Gehörnten Gott mal zu googeln, um mehr über ihn zu erfahren. Und wie war gleich noch mal die Laufbahn von Billy the Kid? Das ist die große Stärke bei dem ganzen mythologischen Gewimmel: man wird neugierig auf die Geschichte derselben. Die Geschichte der Zwillinge Sophie und Josh dagegen fällt ein wenig ab (obwohl die eigentliche Zielgruppe dieser Bücher dies wahrscheinlich etwas anders sieht ;-)). Nervig ist auch, dass das gesamte Buch im Prinzip nur einen Zeitraum von ein, zwei Tagen beschreibt und dabei stellenweise zu ausführlich, ja sogar langatmig wird - da hätte Scott straffen können. Erst am Ende wird die Handlung holterdipolter schneller, sogar fast zu schnell. Gut gelöst finde ich dagegen, wie sich Perenelles Schicksal entwickelt. Na, und dann die Überraschung mit der unfreiwilligen Zeitreise von Scathach und Johanna…
Fazit: eine gelungene Fortsetzung der Jugendbuch-Fantasy-Reihe. Die Spannung kommt nicht zu kurz, auch der Humor fehlt nicht. Und natürlich will man wissen, wie es weitergeht: wie zum Geier kommen z.B. Scathach und Johanna aus ihrer prekären Lage heraus, und wer ist die rothaarige Frau, die bei den Zwillingen auftaucht? Und wer, bitte schön, ist denn nun der eigenliche Meister von John Dee? Trotzdem sollte Autor Scott aufpassen, dass er nicht zu viele Elemente in der Reihe verwendet: erst die vielen mythologischen Figuren, dann die historischen, nun auch noch Zeitreisen - das droht, zu überladen zu werden. Einen Sonderstern gibt es ansonsten wieder für den wunderschön gestalteten Einband! Tja - leider heißt es nun wieder ein Jahr auf Band vier warten… Wertung: ****
“Von Ort zu Ort: eine Jugend in Pommern“; Seiten: 440; Verlag: Dumont; ISBN: 3832195300; Preis: 22,95 Euro; ***
“Die Geheimnisse des Nicholas Flamel - Die mächtige Zauberin“; Seiten: 528; Verlag: cbj; ISBN: 3570137848; Preis: 18,95 Euro; ****
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Grübeleien
24.3.2010 von Baghiera.
Ich muß einen gewaltigen Kopf haben,
denn zuweilen
brauche ich
eine ganze Woche,
um ihn mir
zu zerbrechen.
(Mark Twain)
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Eiszeit
21.3.2010 von Baghiera.
Manche Menschen
legen ihre Gefühle
in eine Tiefkühltruhe.
Ob sie glauben,
sie dadurch
haltbarer
zu machen?
(Kristiane Allert-Wybranietz)
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Marion Gräfin Dönhoff
11.3.2010 von Baghiera.
Das heutige Datum, der 11. März, ist bei mir geprägt von zwei sehr wichtigen Frauen. Erstens hatte meine Mutter
am 11. März Geburtstag; sie wäre heute 68 Jahre alt geworden. Zweitens ist der 11. März der Todestag einer von
mir hoch geschätzten Frau: Marion Gräfin Dönhoff (*02.12.1909, +11.03.2002), eine der bedeutendsten
Publizistinnen des 20. Jahrhunderts, Chefredakteurin und Mitherausgeberin der Zeitung “Die Zeit“. Die in
Ostpreußen auf Schloß Friedrichstein geborene Autorin schrieb über 20 Bücher und wurde vielfach
ausgezeichnet, bekam u.a. auch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1971). Die Gräfin wäre im
Dezember 100 Jahre alt geworden.
Was mich an ihr immer beeindruckte, war ihre Einstellung zum Thema Ostpolitik: obwohl sie ihre Heimat 1945
verloren hatte, war sie zu Frieden und Versöhnung bereit, akzeptierte die Ostgrenzen, pochte nicht auf Zurückgabe
der alten Güter. Und sie war schon früh ein Freigeist, rebellierte gegen die ihrer Meinung nach überalteten Regeln
im Mädchenpensionat, ging danach als einziges Mädchen in die Klasse einer Jungenschule. Anfang der 30er Jahre unternahm sie Reisen in die USA und nach Afrika, anschließend studierte sie Volkswirtschaft - alles nicht gerade üblich damals. Und: sie gehörte indirekt zum Widerstand gegen Hitler, unternahm Botengänge für Mitglieder des Kreisauer Kreises um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Da ihr Name aber auf keiner offiziellen Liste der Verschwörer stand, konnte sie der Gestapo entgehen.
Am vergangenen Sonntag lief, wie schon zuvor angesprochen, in der ARD die Wiederholung des Fernsehfilms “Die Flucht“. Thema des Films ist die Flucht aus Ostpreußen, auf der ab Januar 1945 ca. 300.000 Deutsche ums Leben kamen. Auch Marion Gräfin Dönhoff musste 1945 flüchten; auf ihrem Pferd Alarich legte sie nahezu 1.200 km zurück, landete schließlich in meiner ehemaligen Heimat Ostwestfalen-Lippe, genauer gesagt in Vinsebeck bei Steinheim auf dem dortigen Schloß der Grafen von Metternich. Da auch ein Teil meiner Familie väterlicherseits (mein Vater, meine Großmutter, meine Tante) aus Ostpreußen stammt und damals vor der Roten Armee flüchten mußte, interessiert mich dieses Thema sehr, und ich habe mir den gerade gelaufenen Film gerne noch einmal angeschaut.
Außerdem habe ich ihn zum Anlass genommen, wieder einmal eines meiner Lieblingsbücher hervor zu kramen. Vorstellen muss man es eigentlich nicht, aber ich mache immer wieder gerne mal darauf aufmerksam:
“Kindheit in Ostpreußen“ von Marion Gräfin Dönhoff
Marion Gräfin Dönhoff gehörte zu einem der ältesten ostelbischen Adelsgeschlechter. In diesem Buch beschreibt sie
mit leichter Hand aus der Sicht eines Kindes ihre Kindheit in Ostpreußen und auf dem Stammsitz der Familie,
Schloß Friedrichstein. Das könnte langweilig sein, ermüdet aber keinen Augenblick, eben weil sie alles mit
Kinderaugen betrachtet. Im Gegenteil: man muss unwillkürlich grinsen, wenn man sich die zerknirscht nach Hause
schleichende Marion vorstellt, weil sie wieder etwas angestellt hat. Und auch die kleinen Anekdoten zwischendurch
animieren einen immer wieder zum Schmunzeln: so kann man sich gut vorstellen, wie das ausgesehen haben mag,
als die Hunde der Mutter Abführpillen als Leckerlis stiebitzten! Was das Buch aber so interessant macht, ist der
Einblick in die (ostpreußische) Adelsgesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier hat sich Marion Gräfin Dönhoff enorme Mühe gegeben beim Recherchieren, genauso akribisch wie übrigens auch bei der eigenen Familie, von der sie einzelne Vorfahren und natürlich auch lebende Personen vorstellt. Außer Acht gelassen werden selbstverständlich auch die Regeln des Anstands und der Moral nicht, die sie mit einem Augenzwinkern beschreibt: “Das tut man nicht” ist z.B. oberster Leitsatz der Mutter, die stets darauf achtet, dass alles comme il faut ist. Glücklicherweise gab es aber sieben Kinder im Dönhoffschen Haushalt, und so wurde die kleine Marion mehr oder weniger vergessen, konnte tun und lassen, was sie wollte. Wie gut, dass wenigstens die Hausangestellten wie Kutscher Grenda, Diener Fritz oder Gärtner Krebs für etwas Erziehung sorgten!
Fazit: ein wunderbar geschriebenes Buch! Das erste, welches ich je zum Thema Ostpreußen zur Hand nahm, schon viele Male gelesen habe, alle paar Jahre immer wieder aus dem Bücherschrank hervor krame und stets mit großem Vergnügen von neuem lese. Ein Muss!
“Namen, die keiner mehr kennt: Ostpreußen - Menschen und Geschichte”
greift die in “Kindheit in Ostpreußen” vorgestellten Menschen und deren Schicksale auf. Wer also wissen möchte, wie
es genau z.B. mit Heini Lehndorff weiter ging, sollte sich unbedingt auch dieses Buch von Marion Gräfin Dönhoff
ansehen. Man bekommt jedoch auch noch einmal einen ausführlichen Einblick in die Geschichte des Landes. In
diesem Buch sind sechs Geschichten vereint: “Nach Osten fuhr keiner mehr” handelt von ihrer Flucht zu Pferd
nach Westen. Die Liebe zu den Pferden und dem Land kommt besonders in „Ritt durch Masuren” durch; eigentlich
Tagebuchskizzen für den Bruder über einen 1941 unternommenen mehrtägigen Ausritt, den sie mit ihrer Freundin
Katrin “Sissy” Lehndorff unternahm. „Die zu Haus blieben, sind nicht mehr allein” erinnert an Bekannte und Freunde,
die im Krieg umkamen. „Leben und Sterben eines ostpreußischen Edelmannes” ist dem bewunderten Heinrich “Heini” Graf Lehndorff gewidmet, dem Bruder ihrer Freundin Sissy, der am Attentat des 20. Juli beteiligt war und dafür gehängt wurde. „Wirtschaftwunder vor zweihundert Jahren” und „Stets blieb etwas vom Geist des Ordens” schließlich rundet das Bild ab, liefert Hintergrundinfos zur Geschichte des Landes und schildert Auszüge aus der Familiengeschichte.
Sehr lesenswert ist auch noch
Hier gedenkt sie ihrer Freunde, die nach dem 20. Juli ums Leben kamen: Albrecht Graf von Bernstoff, Axel Freiherr
von dem Bussche, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Helmuth James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von
Wartenburg, wieder ihr bewunderter und geliebter Cousin Heinrich “Heini” Graf Lehndorff sowie Adam von Trott zu
Solz.
Eines der besten Bücher über den deutschen Widerstand - man kann beispielsweise sehr gut nachvollziehen,
wie die Verschwörer dachten, wie es zu den Attentatsversuchen kam, warum und woran sie gescheitert sind.
Wer mehr über Marion Gräfin Dönhoff erfahren will, kann auf mehrere Biographien bzw. Erzählungen zurück greifen, u.a. von Klaus Harpprecht (”Die Gräfin: Marion Dönhoff“), Friedrich Dönhoff (”Die Welt ist so, wie man sie sieht“) oder Dieter Buhl (”Marion Gräfin Dönhoff: Wie Freunde und Weggefährten sie erlebten“).
Mir hat besonders gefallen:
”Marion Dönhoff: Ein widerständiges Leben” von Alice Schwarzer.
Hundert Jahre alt wäre die Gräfin heute; verfasst wurde dieses Buch anläßlich ihres 85. Geburtstags, also vor
15 Jahren. Schon damals, als ich das Buch zum ersten Mal las, reizte mich das Unterschiedliche der beiden Frauen:
nanu, die “Emanze” Alice Schwarzer und die Dönhoff? Was wohl dabei heraus kommt? Etwas Gutes! Schwarzer
kommt der Gräfin in ihrem Buch sehr nahe, ohne verklärend zu wirken, kritische Zwischentöne fehlten nicht,
aber Gott sei Dank ließ sie das Feministisch-Emanzenhafte völlig heraus. Davor hatte ich nämlich Angst…
Als sehr angenehm empfand ich die gewisse Prise Humor, die Schwarzer aufblitzen ließ, und am Ende des Buches
dachte ich so bei mir: diese beiden Frauen haben trotz ihrer Unterschiedlichkeit gewiss manch nette Stunde
miteinander verbracht. Und wenn man dies als Leser bei einer Biographie ebenfalls spürt - umso besser!
- “Kindheit in Ostpreußen“; Seiten: 224; Verlag: btb; ISBN: 3442722659; Preis: 8,00 Euro
- “Namen, die keiner mehr kennt“; Seiten: 186; Verlag: Rowohlt; ISBN: 349962477X; Preis: 8,95 Euro
- “Um der Ehre willen“; Seiten: 192; Verlag: btb; ISBN: 3442720095; Preis: 8,00 Euro
- “Marion Dönhoff: Ein widerständiges Leben“; Seiten: 395; Verlag: Kiepenheuer & Witsch; ISBN: 3462040561; Preis: 8,95 Euro
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Die große Flucht
9.3.2010 von Baghiera.
Am WE lief in der ARD die Wiederholung des Fernsehfilms “Die Flucht” von Kai Wessel. Thema des Films ist
die Flucht aus Ostpreußen, auf der ab Januar 1945 ca. 300.000 Deutsche ums Leben kamen.
Da auch ein Teil meiner Familie väterlicherseits (mein Vater, meine Großmutter, meine Tante) davon
betroffen war, interessiert mich dieses Thema sehr, und ich habe mir den Film gerne noch einmal
angeschaut.
Einige historische Fakten:
Die sowjetische Winteroffensive im Osten begann am 12. Januar 1945. Aber bereits im Oktober 1944 hatte die große Flucht in Ostpreußen eingesetzt, im Januar und Februar 1945 wurde sie auch in Schlesien, Pommern und Westpommern zu einer Massenbewegung, die Zehntausende in den Tod führte. Monatelang hatten nationalsozialistische Gauleiter Durchhalteparolen ausgegeben und den Rückzug in sicheres Gebiet verboten. Parteibonzen versuchten bis zum letzten Augenblick den Anschein zu wahren, dies sei nicht das Ende. Erst als die Artillerie der Roten Armee bereits zu hören war, begann an vielen Orten im deutschen Osten die Flucht. Vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen versuchten sich mit dem Allernotwendigsten in Sicherheit zu bringen - zu Fuß oder mit Pferdewagen, bei Minustemperaturen und in ständiger Angst, von der Front eingeholt zu werden. Nach dem von Deutschland begonnenen Krieg und dem brutalen Besatzungsterror vor allem in Polen und der Sowjetunion wurden sie zudem oft die Opfer von Racheakten, die von den Nationalsozialisten für Gräuelpropaganda ausgenutzt wurden. Beim Exodus der Ostdeutschen verloren 14 Millionen Menschen ihre Heimat, mehr als zwei Millionen ihr Leben. Allein aus den Gebieten östlich der Oder und Neiße flohen etwa zehn Millionen Menschen. Zu den dramatischsten Kapiteln der Flucht aus den deutschen Ostgebieten gehörte die Flucht von rund 2,5 Millionen Menschen über die Ostsee, gejagt von sowjetischen U-Booten. Viele Schiffe wurden bombardiert, so auch die “Wilhelm Gustloff”, mit der über 9.000 Menschen untergingen.
Wer noch ein Schiff erwischt hatte, konnte sich trotz der ständigen Gefahren auf See glücklich schätzen. Für mehr als zwei Millionen Ostpreußen war die “Frische Nehrung”, ein schmaler Landstreifen zwischen Königsberg und Danzig, der einzige Fluchtweg vor der Roten Armee in Richtung Westen, nachdem die Rote Armee das Land im Januar 1945 eingekesselt hatte. Zehntausende führte er in den Tod. Auf überladenen Fuhrwerken oder
zu Fuß, bei mehr als 20 Grad Kälte wurde der große Treck zum großen Sterben. Nachdem der Weg nach Westen abgeschnitten war, blieb den ostpreußischen Flüchtlingen nur noch der Ausweg über das zugefrorene Haff an die Ostseehäfen. Schon die Überquerung des zugefrorenen Haffs bis zum Landstreifen, der Nehrung, war für viele ein Wettlauf mit dem Tod. In der dunklen Eiswüste kamen sie vom festen Weg ab, verirrten sich und brachen ein. Tausende wurden Opfer von Luftangriffen und sowjetischer Artillerie, wurden von Bomben zerfetzt. Tausende blieben liegen, erfroren, starben an Erschöpfung. Viele wurden von den sowjetischen Panzern eingeholt und überrollt, wurden zur Zielscheibe eines Hasses, den andere Deutsche zuvor gesät hatten. Noch während die Menschen in Massen flohen, legten die Alliierten auf der Konferenz von Jalta die Nachkriegsordnung Europas fest. Darauf wurde nicht nur die Oder-Neiße-Grenze als polnische Westgrenze vereinbart, sondern auch der Verlust der polnischen Ostgebiete, die bereits im Hitler-Stalin-Pakt der Sowjetunion zugeschlagen worden waren. Polen, das erste Opfer des Zweiten Weltkrieges, verlor nicht nur einen großen Teil seines Territoriums – auch zwei Millionen Polen verloren ihre Heimat. Sie wurden ins heutige Westpolen umgesiedelt - in Städte und Dörfer, deren deutsche Bewohner entweder bereits geflohen waren oder nun ihrerseits Opfer von Vertreibung und Umsiedlung wurden. Bis zu 14 Millionen Deutsche sind am Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und dem Sudetenland geflohen oder vertrieben worden. Aber: Flüchtlinge und Vertriebene gab es nicht nur in Deutschland: allein in Europa mussten zwischen 1939 und 1948 über 50 Millionen Menschen zwangsweise ihre Heimat verlassen.

So weit ein paar historische Fakten. Ich persönlich bin immer wieder betroffen, wenn ich mir
vorstelle, wie die ganzen Frauen, Kinder und Alten bei eisigen Temperaturen unterwegs
waren, die Kinder starben, einfach am Wegesrand zurück gelassen werden mussten…
Und ich ziehe den Hut vor diesen Frauen, denn es waren ja in der Mehrzahl Frauen, die
das alles bewältigen mussten. Darunter, wie gesagt, auch meine Oma, und meine Tante,
damals 12 Jahre alt, und mein Vater, 8 Jahre alt.
Das alles ist in diesen Tagen und Wochen 65 Jahre her.
Wer sich mehr Infos holen möchte: zum Film “Die Flucht” ist ein Begleitbuch erschienen. Außerdem gibt es mehrere Sachbücher zum Thema “Flucht und Vertreibung”, u.a. von Guido Knopp und Jürgen Thorwald.
- “Die Flucht“; Autor: Tatjana Gräfin Dönhoff, Gabriela Sperl; Seiten: 336; Verlag: Bvt; ISBN: 3833305533; Preis: 9,90 Euro
- “Die große Flucht. Das Schicksal d. Vertriebenen“; Autor: Guido Knopp; Seiten: 416; Verlag: Econ; ISBN: 3430155053; Preis: div.
- “Die große Flucht. Niederlage, Flucht u. Vertreibung“; Autor: Jürgen Thorwald; Seiten: 600; Verlag: Droemer/Knaur;
ISBN: 3426778068; Preis: div.
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Victor Klemperer ist out
6.3.2010 von Baghiera.
Nach all der “seichten Lektüre”, den Katzenromanen u.ä. der letzten Wochen ist es mal wieder Zeit für ein gutes Buch,
dachte ich mir die Tage so. Aber was könnte frau lesen? Auf die noch anstehenden Bücher aus meinem SuB hatte
ich irgendwie keine richtige Lust - hmmm… Aber Moment: da war doch letztens was… richtig! Im Februar jährte sich
der Todestag von Victor Klemperer (*09.10.1881, + 11.02.1960) zum 50. Mal. Klemperer war ein deutscher
Schriftsteller und Literaturwissenschaftler und vor allem durch seine Tagebücher bekannt geworden, in denen er
seine Ausgrenzung als Jude im Deutschland des Nationalsozialismus festhielt. Im TV gab es dazu jede Menge
Berichte, und ich dachte mir, das sei doch mal was. Zumal ich nicht sicher bin, ob ich seine Tagebücher je gelesen
habe; ich meine, ich habe sie mir Anno Hugendubel vor 20, 25 Jahren oder so mal aus einer Bücherei geliehen, aber
sicher bin ich mir nicht, und in meiner eigenen Bibliothek stehen sie nicht. Anläßlich seines Todestages vor 50
Jahren sollte es auch nicht schwierig sein, die Bücher aufzutreiben - dachte ich.
In meiner Haus-, Leib- und Stammbuchhandlung nur Kopfschütteln. “Klemperer? Nö, haben wir nix von!” Okay, dann bestellen. Kann aber ‘ne gute Woche dauern. Na gut, dann also per Internet. Der große Online-Händler mit dem A… hatte die eigentlichen Tagebücher aus den Jahren 1933 bis 1945 (”Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“) in der von mir gewünschten Ausgabe aber auch nur von Drittanbietern im Angebot, und die gekürzte Fassung für junge Leser wollte ich nicht.
Blöd. Und was lese ich nun? Guck ich halt doch noch mal in meinen SuB…
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Buchbesprechung
6.3.2010 von Baghiera.
Und noch ‘n Buch: “Axolotl Roadkill” von Helene Hegemann
Wenn ein Buch so hoch gelobt wird wie unlängst dieses, dessen junge Autorin von den Kritikern als “genial” und
”neues Wunderkind der deutschen Literaturszene” gefeiert wird und schließlich die Autorin auch noch einen
leicht eigenartigen Auftritt bei Harals Schmidt hinlegt, dann will ich doch wissen, was dahinter steckt. Ach, man
muss nicht alles wissen, wie ich mal wieder festgestellt habe! Was die ganzen Kritiker genommen haben, als sie
ihre Lobeshymnen auf dieses Buch verfassten, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. HABEN die das Buch eigentlich
WIRKLICH gelesen oder nur vom anderen abgeschrieben (wie übrigens auch die Autorin)? Hauptperson des
Machwerks ist die 16-jährige Mifti, die in Berlin lebt. So, und wer mehr über den Inhalt wissen will, lese woanders
nach; mir ist jedenfalls mein Platz hier zu schade, noch mehr darüber zu schreiben.
Fazit: Angefangen, gewundert, angewidert, Seiten überflogen, zuletzt nur noch durchgeblättert, zugeklappt, zurück zur
Buchhandlung und umgetauscht. Sprachlich daneben (ich steh nicht so auf Fäkalien-Jargon), Geschichte naja -
bloß nicht kaufen, und wenn, dann nur mit Rückgaberecht! Mein Urteil: Schrott!!!
“Axolotl Roadkill” - Autor: Helene Hegemann; Seiten: 208; Verlag: Ullstein; ISBN: 3550087926; Preis: 14,95 Euro; Wertung:(-) (-) (-) (-) (-)
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Buchbesprechung(en)
6.3.2010 von Baghiera.
So, da dies hier zuletzt ja beinahe zu einem “Haustier-Blog” mutierte, wollen wir allmählich auch wieder andere Themen aufnehmen. Fangen wir an mit Buchbesprechungen; allerdings doch noch leicht zum Thema “Tier” gehörend… Von Weihnachten sind nämlich noch einige Bücher/-Rezensionen bei mir liegen geblieben, darunter drei Katzenbücher von Andrea Schacht.
“Weihnachtskatz und Mausespeck”
Ein schmales Geschenk-Büchlein aus Andrea Schachts Geschichten rund um Weihnachten und Katzen. Leider habe
ich hier im Gegensatz zu ihren anderen Geschichten den Bezug zu den Hauptpersonen überhaupt nicht gefunden,
vor allem nicht zur menschlichen Hauptperson Kris. Die Geschichte ist schnell erzählt: im Hinterhof von Kris’
Wohnung und Fitnessstudio werden Katzen von ein paar zwielichten Gestalten misshandelt, mit denen Kris sich auf
eine Schlägerei einlässt. Dabei wird auch ein Kater verletzt, den der junge Mann in der Folgezeit betreuen muss.
Raufer, wie das Katerchen genannt wird, lernt dabei, sich auf Menschen einzulassen, der junge Mann versöhnt sich
wieder mit seinem Vater.
Fazit: ganz nett, aber ich wurde mit Kris nicht warm, und mir fehlt der Witz und Humor aus den anderen kleinen
Katzengeschichten.
“Pantoufle, ein Kater zur See”
Also, Pantoufles Abenteuer haben mir schon viel besser gefallen. Das Buch spielt etwa um die Jahrhundertwende des
19./20. Jahrhunderts, zunächst in Frankreich. Nach einem schweren Sturm wird das Haus von Pantoufle und seinem
Frauchen Janed zerstört, und Janes beschließt, nach Amerika auszuwandern. Pantoufle ist alles, was ihr noch bleibt -
und darf mit. Unterwegs treffen sie drei früher mit Janeds Vater befreundete Matrosen, und diese schmuggeln Janed
auf die Boston Lady, ein Paketschiff, welches zwischen Brest und New York pendelt. Dort lernen die zwei viele neue
Menschen kennen: den traurigen Clown Pippin und seine alte Löwin, den ersten Offizier Ron, und auch eine Katze ist
mit von der Partie: die hübsche Lilibeth, die gelangweilt ihr Dasein bei Madame Robichon fristet, der exaltierten
Schwester des Reeders. Sie schwärmt für den berühmten Opernsänger Granvoce (Enrico Caruso nachempfunden),
der ebenfalls mit an Bord ist und dem sie andauernd hinterher fährt. Der Sänger ist allerdings inzwischen mehr als
genervt von ihr, und die zurückgewiesene, empörte Madame entwickelt einen perfiden Plan, in den auch Pantoufle und Janed hinein gezogen werden.
Gut gefallen haben mir die Schilderungen, wie es auf einem Schiff um die Jahrhundertwende zuging - und natürlich der kleine Pantoufle, mit dem ich schnell Freundschaft schloss. Sehr niedlich fand ich, wie er die schöne Lili anhimmelt, und seine Abneigung gegen Möwen kann ich ebenfalls ganz gut nachvollziehen… Hübsch ist auch das Ende - hach!!!
Fazit: schön zum Zwischendurch-Lesen, klasse für Katzenfans, und auch Liebhaber von Historienromanen kommen auf ihre Kosten.
“Tigers Wanderung” ist Teil drei von Andrea Schachts wunderhübscher Serie um den Kater Tiger. Im ersten Teil
(”Der Tag mit Tiger“) muss Anne miterleben, wie ihr Kater Tiger von einem Auto angefahren wird und an seinen
Verletzungen stirbt, sie aber in ihren Träumen vorher noch auf einen Streifzug durch seine Katzenwelt mitnimmt.
Im zweiten Teil (”Auf Tigers Spuren“) kommt Junior zu Anne, ein kleines verwahrlostes Katzenkind. Er betätigt
sich als Katzen-Detektiv, jagt Diebe und Sittenstrolche, und er hat geistig sogar Kontakt zu Tiger, der inzwischen im
Katzenhimmel “lebt”.
In diesem dritten Teil hat Tiger sich entschlossen, die Goldenen Steppen (den Katzenhimmel) zu verlassen. Er will
zu seinem Frauchen Anne zurück kehren und wird wiedergeboren, allerdings als kleines Katzenbaby. Wie gut, dass
Junior ihm hilft, den gefahrvollen Weg zu Anne zurück zu finden! Denn Junior ist zwar bei Anne ganz glücklich, weiß aber genau, dass dieses Leben als Hauskatze “noch nicht alles” sein kann - Junior will auf Wanderung gehen und wissen, wie es sich draußen so als freie Katze lebt. Dass dies gefahrvoller ist als er ahnte, muss er bitter am eigenen Leib erleben, als er in einen wahren Katzenkrieg hinein gerät…
Wie immer wird auch Teil drei der “Tiger”-Reihe aus der Sicht von Katze Nina erzählt, was die Sache sehr amüsant macht. Nina ist oft zu Gast bei Anne, gehört aber eigentlich Annes Nachbar und Freund Christian. Anne verbindet allerdings mehr als nur Freundschaft mit Christian (obwohl auch hier nicht alles geradeaus geht und auch hier die Katzen eingreifen müssen). Die faltohrige Nina ist einfach Klasse - Ich könnte mich immer wieder kringelig lachen, wie die naschsüchtige Nina auf “Schleckerkatz” lauert… Schön beschrieben sind auch die ganzen anderen Katzen aus der Nachbarschaft: Tim und Tammy, Randy, Diti, Hommi, Pinkie, Fleury und Henry sorgen für ordentlich Kurzweil.
Fazit: ich nehme mal an, mit Teil drei ist diese Reihe noch nicht beendet - hoffentlich nicht, denn Andrea Schacht hat einfach eine unnachahmliche Art und Weise, sich in Katzen hinein zu versetzen. Bitte mehr davon - Tigers Geschichten sind wirklich schön!
- “Weihnachtskatz und Mausespeck” - Seiten: 127; Verlag: Rütten & Loening; ISBN: 3352007764; Preis: 9,95 Euro; Wertung: **
- “Pantoufle, ein Kater zur See” - Seiten: 352; Verlag: Blanvalet; ISBN: 344237054X; Preis: 7,95 Euro; Wertung: ****
- “Tigers Wanderung” - Seiten: 298; Verlag: Aufbau Tb; ISBN: 3746625661; Preis: 7,95 Euro, Wertung: *****
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Tri-Tra-Trullala: Plüschiges und Puppiges
6.2.2010 von Baghiera.
Bei mir daheim haben zwei ganz knuddelige Handpuppen Einzug gehalten - darf ich vorstellen? Nummer Eins ist Mümika (kommt von “MüdeMiezeKatze”) oder kurz Mümi und eine ganz entzückende, puschelige, dicke Katze von Folkmanis (dort heißt sie “Fluffy Cat” bzw. “pummelige Katze”). Auf dem Foto sieht sie etwas sehr karrikaturenmäßig und fast böse aus, dabei guckt sie sehr lieb und sieht “in echt” viel niedlicher aus. Sie ist von innen bespielbar (man kann dadurch das Schnäuzchen bewegen und sie sprechen lassen), und wenn man sie auf dem Arm trägt, ist sie einfach nur toootal knuffig!
Nummer Zwei heißt Ronja und ist eine gut 65 cm große Klappmaul-Puppe von den berühmten Living Puppets. Auch sie ist von innen bespielbar (nicht nur Kopf bzw. Mund, auch z.B. die Hände). Ich finde, Ronja sieht richtig flott aus in ihren Jeans-Sachen (die man übrigens ausziehen kann)! Ich bin mal gespannt, wie Lena auf sie reagiert… Ronja soll nämlich Lenas neue Freundin werden. Wenn Lena uns besuchen kommt, kann sie mit Ronja spielen und ihr das Herzchen ausschütten, wenn sie mal traurig oder sauer ist und nicht mit einem Erwachsenen reden will. Das ist nicht zu unterschätzen, da bei uns ja kaum Kinder wohnen, mit denen Lena mal spielen könnte.
Überhaupt ist Puppenspiel seit ein paar Wochen bei uns sehr angesagt. Vor drei Wochen waren wir mit Lena zum ersten Mal bei einem Puppenspiel, und zwar in Düsseldorf im Theater Helmholtzstraße. Sehr voll übrigens; man sollte unbedingt vorher Karten bestellen, wenn man z.B. Sonntags hin will! Zuerst war das alles ja gar nicht nach Lenas Geschmack, weil die Kinder alle allein nach vorne in die ersten Reihen mussten, um gut sehen zu können. Und dann das Stück: “Der Wolf und die sieben Geißlein” - oh je, wenn der Wolf einen nun auffressen will!?? Zum Glück war dann alles “gaaanz super”, und wir hatten viel Spaß! Auch die Inszenierung hat uns sehr gut gefallen; wir werden uns sicherlich weitere Vorstellungen ansehen.
Vergangenes WE waren wir dann im Puppentheater Ratingen. Ganz anderer Ansatz, eher traditionell gehalten, aber Lena fand es ebenfalls klasse. Naja, sie wusste ja nun auch schon, wie das im Puppentheater so zugeht, und machte vor allem Anfang eifrig mit. Der arme Kasper wurde von ihr fast totgequatscht, als er sich ein bißchen mit den Kindern unterhielt, und sie erzählte ihm vor sämtlichen Zuschauern ihre halbe Lebensgeschichte einschließlich Lieblingsfarbe und Prinzessinnen-Kleid. Wir beiden Großen sind vor Lachen fast erstickt!
Jedenfalls hat das Ganze nun dazu geführt, dass wir auch daheim Puppentheater spielen wollen. Ein paar Handpuppen sind inzwischen da, ein Türtheater folgt in den nächsten Tagen, und ich überlege mir gerade eifrig ein paar kleine Stücke.
Tja, das Ganze macht nicht nur Lena Spaß, sondern auch mir. Mümi und Ronja, Kasper und Co. sind voll auf meiner Wellenlänge. Schon als Kind habe ich Puppen bzw. Tieren gerne eine Stimme gegeben, was ich als Erwachsene beibehielt; meine Tochter hatte z.B. einen Hasen, der sich jahrelang wie eine lebendige Person mit ihr “unterhielt”. Das ging so weit, dass schließlich die gesamte Familie mit Hasi quatschte! Und heute, bei Lena, ist es ein kleiner Tiger, der sie immer freudig begrüßt und den sie tröstet, wenn sie wieder weg muss…
Man sieht: selbst als ü40 (und Omi) kann ich meine Leidenschaft vor allem für Plüsch- und Kuscheltiere nicht verhehlen! Leider haben die Viecher inzwischen kaum noch Platz daheim - meine Sofalehne ist voll besetzt, Lenas Regale auch… seufz*
Wer aber uuunbedingt noch fehlt, ist die große “Ragdoll Cat“ oder “wuschelige Katze” (siehe unten), ebenfalls von Folkmanis! Mein Mann hat sie im Internet gefunden, und die MUSS einfach zu mir nach Hause…
P.S.: in diesem Zusammenhang noch ein Buchtipp: geradezu genial ist “Große Handpuppen ins Spiel bringen” von Olaf Möller. Tolles Buch mit vielen guten Tipps zum Thema Puppenspiel, insbesondere natürlich zum Spielen mit den großen Klappmaul-Puppen. Und zwar nicht nur für Leute geeignet, die die Puppen im Therapie-Einsatz haben, sondern auch für den Einsatz als Spielgefährte in der Familie, also für Mama, Papa, Oma, Opa… Prima finde ich vor allem die Tipps zur Praxis: dem Führen der Puppe, Einsatz der Stimme etc. Also: unbedingte Kaufempfehlung! *****
Große Handpuppen ins Spiel bringen: Technik, Tipps und Tricks für den kreativen Einsatz in Kindergarten, Schule, Familie und Therapie
Verlag: Ökotopia - 107 Seiten - ISBN: 3867020175 - Preis: 16,90 Euro
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