Archiv der Kategorie Menschliches
Philosophie im Morgengrauen
20.3.2010 von Baghiera.
Neulich. Besuch von Lena. Morgens, vor dem Aufstehen. Die Tür zum Schlafzimmer geht auf, Lena schlüpft zu mir unter die Bettdecke. Kuscheln. Wir besprechen, was wir tagsüber anstellen wollen. Ich möchte einen neuen, großen Zeichenblock zum Malen kaufen. Lena wendet ein, sie habe doch einen. Ja, der sei aber klein, meine ich.
Lena denkt nach. Und denkt. Und meint schließlich: “Stimmt, der ist zu klein für all das Große in meinem Kopf!”
Oh…
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+ Und noch ein Abschied…
1.3.2010 von Baghiera.
Keine schönen Tage. Und wieder ein Abschied…
Mein Onkel ist heute gestorben. Er hat seinen 85. Geburtag nicht mehr geschafft.
Und ich weiß nicht, ob das nicht besser war für ihn… Er war so schwer krank…
Aber mag man das beurteilen, ob ein Tod besser war als das Leben,
und sei es auch noch so beschwerlich???
Ich weiß es nicht…
Eines Tages
werden wir Körper haben
deren Leichtigkeit die Schmetterlinge neiden
mit einer Vollkommenheit
die die Engel staunen lehrt
wir werden Körper haben
von Licht umschmeichelt
von Sonne durchstrahlt
wir werden lächelnde Weite sein
und wir werden diejenigen sein
die sich zärtlich
an die warme Erde schmiegen
die lustvoll das Wasser umarmen
die lachend im Feuer tanzen
und kraftvoll mit den Winden fliegen
wir werden dazu gehören
unsagbar schön
unendlich leicht
kein Schmerz und keine Narben
kein Hinken und Stolpern
keine Lähmung, kein Sterben
und keine Träne wird mehr sein
und dieses Fest
werden wir feiern
mit all jenen
die uns trotzdem
dennoch oder gerade darum liebten
und unsere Schönheit immer schon ahnten
Ich bin traurig.
Lieber Onkel Kurt, ich werde Dich und Dein Täschchen so in Erinnerung behalten, wie Ihr früher wart.
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Die Welt in einer Dose
7.12.2009 von Baghiera.
Bei unserem letzten Ausflug nach Monschau sind wir u.a. in einem wunderbaren Kramladen (”Sweets and Music“) voller Nippes und Spielzeug gelandet - und voller Spieluhren. Spieluhren in jeglicher Form: Gitarren, Klaviere, als Eier, Schmuckdosen, Karussells… Nach langem Stöbern haben wir uns für eine herzförmige Spieluhr in Form einer Schmuckdose entschieden, in der eine kleine Ballerina (bzw. Prinzessin) tanzt - genau das Richtige für ein kleines Mädchen! Als wir Lena das Teil auspacken ließen, begannen die Augen zu strahlen, und sie hörte überhaupt nicht mehr auf, sich zu bedanken. Das Teil wird nun eifrig durch die Gegend geschleppt und stolz mit Kettchen, Armbändern und Ringen gefüllt. Die Welt in einer Dose…
(=> Klick = größeres Bild!)
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Geisterbahn is’ nich’ cool…
31.8.2009 von Baghiera.
Am vergangenen WE war bei uns ganz schön viel los. Am Samstag ging es mit Lena nach Neuss auf die
dortige Kirmes. Anläßlich des Neusser Bürgerschützenfestes gab es da wieder jede Menge zu gucken,
zu fahren - und zu laufen: immerhin latscht man da gut drei Kilometer, bis man einmal an den 270
Buden und Fahrgeschäften vorbei ist. Und zurück muss man ja auch noch… Wir Erwachsenen hatten
hinterher qualmende Füße, und die bis dahin toll durchhaltende Lena war am Ende auch so kaputt,
dass Ippi sie auf dem Rückweg fast die ganze Zeit tragen musste. Spaß hatte sie jedenfalls jede Menge.
Neun Karussells hat sie geschafft, darunter auch das Riesenrad.
Nur die Geisterbahn fand sie richtig doof; da war es dunkel,
man wurde nass gespritzt und angepustet, laut war’s, dann noch
die komischen Gespenster (wirklich nur Puppen???) - Lena
brüllte unter Tränen und schluchzte: “da-has fa-hand i-hich
ga-har nich’ cool!” Nu gut, also doch lieber Schiffchen fahren. Am
Sonntag ging es nach Düsseldorf: wir haben mit einem großen
Dampfer der “KD” eine nette kleine Rundfahrt durch den Medien-
hafen und Umgebung gemacht, und Lena hatte jede Menge Schiffe zu gucken. Eis gab’s auch noch. Na, wenn DAS nicht cool war…
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Willkommen
8.7.2009 von Baghiera.
Wie nahe liegen doch Freud’ und Leid beieinander.
Ein geliebtes (tierisches) Familienmitglied geht, um das man lange gebangt hat.
Ein paar Tage nur… aber lange.
Erst recht aus der Sicht einer (tierischen) Mutter.
Ein geliebtes (menschliches) Familienmitglied kommt, um das man ebenfalls gebangt hat.
Ein paar Monate nur… aber sehr lange.
Erst recht aus der Sicht einer (menschlichen) Mutter.
Zu Tode betrübt - und Himmelhochjauchzend.
Welche Diskrepanz.
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Vertrauen
6.7.2009 von Baghiera.
Die vergangene Woche war schon richtig blöd; eine große menschliche Enttäuschung, dazu die Erkrankung meines lieben Katerchens. Die neue Woche fängt auch nicht besser an. Mein Katerchen ist schwer krank; wir versuchen, ihn künstlich über die Zufuhr von “Katzen-Astronauten-Nahrung” zu ernähren, aber er spuckt alles wieder aus. SO haben wir keine Chance… Ein erneuter Besuch bei der Tierärztin heute Abend verlief sehr traurig; sie hat kaum noch Hoffnung. Und ICH??? Habe ich noch Hoffnung? Hat ER noch Lebenswillen? Er vertraut mir… und ich muss die richtige Entscheidung treffen.
Wie unendlich schwer ist es doch, ein geliebtes Lebewesen nicht zu enttäuschen.
Wie beweist man sein Vertrauen?
Wie beweist man Ehrlichkeit?
Wie beweist man Liebe?
Sagen kann man viel…
Ich lerne in diesen Tagen, dass einem selbst dann, wenn einem etwas/jemand unendlich wichtig ist, oft die Entscheidung vom Leben aus der Hand genommen wird.
Ich bin traurig.
Tränen bilden kleine Seen.
Und ich bin keine gute Schwimmerin.
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Erinnerung
4.7.2009 von Baghiera.
Heidemarie M.-K.
+ 04.07.1999
Zehn Jahre - so lange her,
und doch ist es so,
als seist Du erst gestern
gegangen.
Das Haus am Eickshagen ist meist leer.
Deine Enkelin zog es
hinaus in die Welt,
aber der Rest der Familie
fand sich woanders
wieder zusammen.
Und wir backen immer noch
Deine Kekse.
Wenn ein Mensch gegangen ist, kommt die Trauer. Wenn die Trauer gegangen ist, kommt die Erinnerung…
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Wer war noch mal fridge…
14.6.2009 von Baghiera.
Straßen- oder besser gesagt: Nachbarschaftsfeten sind ja so eine Sache. Meist geht
man nur widerwillig hin und oft gar nicht, weil man keine Lust hat, den Stänkerfritzen
von gegenüber auch noch in der Freizeit ertragen zu müssen. Wenn man jedoch da wohnt,
wo ich wohne, ist das anders! Unsere Nachbarschaftsfeten sind legendär - und haben
das Zeug zum Klassiker. Ob Grillen bei lauem Sommerwetter oder Restegrillen mit
Glühwein im tiefsten Dezember: bei uns ist es immer lustig! Unser Festkomittee sorgt für
die Vorbereitungen (federführend dabei wie immer Hildegard!), und was man so an
Geschirr oder Gläsern braucht, schleppen die meisten selber an.
Tja, und dann gehts los!
Übrigens meist schon früh am Nachmittag, was den festen Vorsatz, mindestens bis
Mitternacht durchzuhalten, doch sehr erschwert…
Andere Nachbarschaftsfeten mögen ja langweilig sein. Unsere sind alles, aber das nicht! Auf unseren Feten werden zum Beispiel Volkslieder mit Gästen aus Irland gesungen, Papierluftballons angefüllt mit heimlichen Wünschen in die Luft gelassen, um Mitternacht gibts natürlich Torte mit Kerzen für ein Geburtstagskind (Thanks to Axel für die tolle Idee!), und ständig läuft einem irgendein Hund zwischen die Füße. Praktisch ist ja auch, dass man bei solchen Feten gleich seine neuen Nachbarn kennenlernt. Und noch praktischer ist, wenn zwei davon ein nettes Häuschen im Garten haben und dieses großzügig für die Fete zur Verfügung stellen, obwohl sie eigentlich noch nicht mal richtig eingezogen sind (Danke an Oliver und Thomas!).
Pro Forma wird übrigens auch tatsächlich mal was nebenbei gefuttert (Grillmeister sind immer Klaus und Nuckes), aber eigentlich dient das nur als Basis für die anschließend folgende Flüssig-Nahrung. Die fließt bei uns immer reichlich, und es kann dann schon mal passieren, dass der eine Nachbar die ein paar Häuser weiter vorne wohnende Nachbarin schwankenderweise heimtorkeln (äh, heimbringen!) muss.
Geradezu furchtbar wird es schließlich, wenn one of the Nachbarn feststellt, dass man ja eigentlich noch six bottles of sekt in the fridge hat (für Englisch-Unkundige: sechs Flaschen Sekt im Kühlschrank!). Wenn dann nach und nach besagte bottles geköpft werden und die Unterhaltung bei ökonomischen… äääh…. ökologischen… oder vielleicht sogar ökumenischen (???) Herden landet, ein Mensch in kurzen Hosen und T-Shirt partout nicht frieren will und man sich auch nicht einig wird, ob die Pubertät nun eine schwere Zeit für einen war, dann ist es eigentlich Zeit, in die Heia zu schwanken. Erst recht, wenn man um um kurz vor drei sektselig “Que sera” schmettert und nicht genau weiß, ob die neuen Nachbarn einen danach wirklich noch mögen…
Am nächsten Tag ist es bei uns in der Nachbarschaft übrigens immer erstaunlich ruhig. Komisch. Woran das wohl liegen mag?
P.S.: Nachricht an Ken: think dran, we still wissen, dass there is immer noch the letzte of the six bottles in your fridge! ![]()
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Die Prinzessin von Schloß Dyck
25.5.2009 von Baghiera.
Wir hatten gerade wieder Besuch - Lena war für drei Tage bei uns. Endlich, wie sie meinte: “endlich
kann die Immi wieder laufen!” Naja, ich nenne meine Art des Fortbewegens zwar nicht gerade Laufen,
sondern Schlurfhumpeln, aber egal - Hauptsache, ich komme vorwärts! Und im übrigen litt auch ich
schon arg unter Lena-Entzugserscheinungen…
Lena war ganz begeistert, weil
wir ihr vom “Mittelalterlich Spectaculum” in Wassenberg einen kleinen
Kopfputz mitgebracht hatten. Geschäftstüchtig meinte sie dann allerdings, dass
zu diesem Kopfputz ja wohl auch ein echtes Prinzessinnen-Kleid gehören würde.
Hm, wo sie recht hat, hat sie recht! Und welch ein Zufall, dass um die Ecke auf
Schloß Dyck gerade ein Renaissance-Fest stattfand…
Ippi ist also mit ihr losgezogen und hat an einem Stand tatsächlich ein ganz
echtes Prinzessinnen-Kleid gefunden. Natürlich musste sie es sofort anziehen,
und in perfekter Prinzessinnen-Manier, mit sittsam gefalteten Händen,
spazierte sie dann neben Ippi her Richtung Ausgang. Alle paar Meter rief ein Passant: “guck mal, ist die nieeedlich“, und einer fotografierte sie sogar. Nein, stolzer als unsere Prinzessin von Schloß Dyck war an diesem Tag bestimmt kein anderes kleines Mädchen!
Am nächsten Tag gingen wir mit unserer Prinzessin zum
Einkaufen. In jedem ordentlichen Großmarkt gibt es eine
Spielzeug-Abteilung, und dort stehen für gewöhnlich auch immer ein paar Dreiräder, Roller -
und Kinderfahrräder. Ippi begutachtete also das Angebot, war aber nicht ganz zufrieden,
weil sich die richtige Größe nicht finden lassen wollte. ”Nein, da gucken wir dann noch mal
im Fahrradladen“, murmelte er, was Lena natürlich hörte. “Wann gehen wir denn zum
Fahrradladen?“ Tja, und wenn man von solch großen blauen Augen so bittend angeguckt
wird, fährt man natürlich sofort zum Fahrradladen von Georg. 
Auch dort stellte es sich nicht als ganz so einfach heraus, die richtige Größe für eine fast Vierjährige zu finden, aber mit fachlicher Hilfe war bald ein schickes rosa Fahrrad von Puky im Prinzessin Lillifee-Design gefunden. Sattel und Lenker runter geschraubt, und schwupps war das Teil im Kofferraum verstaut. Zuhause wurde der Fahrradhelm rausgekramt, und den Rest des Tages verbrachte unsere Prinzessin fröhlich strampelnd mit ihrem neuen Fahrrad auf dem Fußweg vor unserem Haus. Zum Glück hat sie bald Geburtstag; so konnte das Rad schon als Geburtagsgeschenk durchgehen, und Ippis schlechtes Gewissen war beruhigt! ![]()
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Zweit-Bein
19.4.2009 von Baghiera.
Kinder sind ja bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen; “Kindermund tut Wahrheit kund”. Der Brüller des Jahres kam denn auch mal wieder von Lenachen. Tag: Ostermontag. Ort: bei uns auf der Terrasse. Beteiligte: Lena, mein Fuß und ich.
Es klingt Sturm; vor der Haustür stehen Lena und ihr Papa. Ich im Rollstuhl auf der Terrasse. Lena kommt wie eine Kanonenkugel auf mich zugeschossen und begrüßt mich stürmisch. Dann beäugt sie neugierig meinen Fuß. Das letzte Mal hatte sie mich mit Gips im Krankenhaus gesehen, nun ohne… sehr spannend…
Und da kam es auch schon: “Iiiimmiii, hast Du jetzt ein neues Bein?” :-)
Wir mussten alle herzhaft lachen! Ich habe ihr dann meine Narbe gezeigt, aber das schien sie nicht sehr zu überzeugen… Hoffnungsvoll fragte sie also noch einmal nach: “Und Du hast keiiin neues Bein, Immi?” Sie hatte wohl gedacht, schwupps kriegt Immi ein neues Bein, kann wieder laufen, alles ist wieder gut, sie kann mich wieder besuchen und wieder mit mir rumtoben… Und dann sitzt Immi da in einem Rollstuhl und ist immer noch fußlahm - welche Enttäuschung! Mein Göttergatte nahm dann sie an die Hand und zeigte ihr meinen Gips; das versöhnte sie etwas.
Tja Lena. Irgendwie hat Immi den Trend zum Zweit-Bein glatt verpennt.
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